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Dienstag, 19. Januar 2010

Book Day

Heute war an der Unibibliothek Bücherbasar. Das ist eine alljährliche Veranstaltung, bei der alte und nicht mehr benötigte Bücher zu (sehr) kleinen Preisen unters Volk gebracht werden.

Nachdem ich diese Gelegenheit in den letzten Jahren stets verpasst habe, bin ich diesmal nur leicht verspätet angekommen und konnte einiges Geschriebenes für meine Heimbibliothek erwerben.

Um diesen Anlass zu feiern möchte ich nun hier jeweils den 19. Satz der 54. Seite eines jeden neuen Buches zitieren (Zahlen zufällig gewählt):

The paper by Burks, Goldstine, and von Neumann was incredible for the period.

In Abbildung 1.11 sind die Abweichungen für unser Beispiel aufgelistet.

After Alberts death, both she and Dorrie may have come a little unhinged.

Das Maximinkriterum macht vor allem dann Sinn, wenn in einem Zwei-Personen-Spiel der Gewinn eines Spielers immer auf Kosten des anderen geht.

They pay a stream of coupons with a final repayment of principal at maturity, but they can be converted into the underlying stock before expiry.

Second, unless stochastic terms are added to the estimated values, the variance of the distribution is understated.

Can Opener n. church key (beer).

The Garret Theatre ran off and on until 1970, subsidized by Herbert's labours as a waiter.

Bildet man den Quotienten zweier Maßzahlen, so erhält man eine wichtige Klasse von Maßzahlen: Die sogenannten Verhältniszahlen.

Die Theoriekenntnis muss so gut sein, dass Sie nicht allein die aus ihr abgeleiteten Hypothesen, sondern ebenfalls die bekannten Antecedenzbedingungen kennen.

Data is moved serially through fiber cable.

Freitag, 29. Mai 2009

Über die Bedeutung von Worten

Ein wichtige philosophische Frage ist es, wie Worte zu einer Bedeutung kommen bzw. was es überhaupt für ein Wort heißt, eine Bedeutung zu haben. Es gibt hier zwei Ansätze:

In den kausalen Bedeutungstheorien vertritt man die Ansicht, dass die Bedeutung von Worten über eine (ziemlich komplexe) kausale Bedeutungskette zustande kommt. Das bedeutet, dass jeder von uns über eine kausale Verknüpfungskette lernt, welche Bedeutung z.B. das Wort Buch hat. Also was der mit dem Wort verbunde Gegenstand in der wirklichen Welt ist. Ein großes Problem der kausalen Bedeutungstheorien ist, dass sie vorhersagen, dass es exakte Synonyme in verschiedenen Spachen gibt (mein Wort Buch und das italienische Libro beziehen sich auf denselben Gegenstand in der wirklichen Welt). Es gibt aber viele Worte, die in anderen Sprachen keine exakten Synonyme haben. Als Beispiele die schönen Worte morinha und teranga aus dem keltischen / afrikanischen Kulturkreis.

In der zweiten Theorie bedeuten Worte ersteinmal nichts. Sie sind aber verknüpft mit Ideen und diese wiederum bedeuten etwas im Sinne einer Merkmalskombination. Das Wort Buch ist also mit einer Buchidee verknüpft und ich habe eine Vorstellung in der Art von:

Ein Gegenstand ist ein Buch, genau dann wenn Eigenschaften A,B,C zu treffen.

Da wir über die Idee einen Mittelsmann zwischen die Sprache und die wirkliche Welt geschaltet haben, kann man nun sagen, dass es keine exakten Synonyme gibt, weil wir unterschiedliche Ideen mit den Worten bezeichnen. Zum Beispiel bezeichnet morhina eine 'Idee des sehnsüchtigen Heimwehs angesichts eines Lebens in einem fremden Land', die wir hier (meist) nicht haben und für die wir deswegen kein Wort besitzen. Genauso sind viele unserer Ideen, z.B. die Idee des Buchs zwar ähnlich zu Ideen anderer Menschen aber nicht identisch, weswegen sich viele Worte in der Bedeutung leicht unterscheiden.

Das Problem der zweiten Theorie ist, dass sie eine genau Klassifikation von Eigenschaften zu Ideen voraussetzt. Wir erkennen ein Buch indem wir überprüfen ob ein Gegenstand die Eigenschaften A,B,C aufweist. Gibt es wirklich einen so aufgebauten Ideenbegriff?

Beim maschinellen Lernen brauchen wir einen solch klaren Begriff nicht. Man mag von einer Support Vektor Maschine sagen, dass sie die Idee einer Spam-Nachricht hat. Zudem ist die Idee einer Spam-Nachricht bei unterschiedlicher SVMs auch leicht unterschiedlich (je nach verwendeter Trainingsmenge), was (wenn man dreisterweise den Menschen einen ähnlichen Prozess der Begriffsbildung unterstellt) die Theorie stützt. Eine SVM hat aber keine klare Liste von Eigenschaften mit einer genau dann wenn Beziehung in Bezug auf die Idee der Spam-Nachricht. Stattdessen gibt es eine mathematische, kontinuierliche Funktion, die einer Reihe von kontinuierlichen oder diskreten Features A,B,C eine Art Konfidenzwert zuordnet.

Die Idee einer Spam-Nachricht einer SVM ist also inherent fuzzy mit unklaren Übergängen zu Nicht-Spam-Nachrichten und schwer zu entscheidenen Randfällen. Trotzdem kann man sagen, dass es die Idee gibt und man kann vor allem auch sagen, wie sie zustandegekommen ist: Durch die Analyse einer Menge von Beispielen der Ideen Spam und Nicht-Spam. (Und es gibt gerade nicht die von Plato geforderte ideale Spam-Nachricht als Urbild aller Spam Nachrichten)

P.S:

Der amnesty Stand gestern ist übrigens gut gelaufen: 98 Unterschriften haben wir gesammelt.
(Und ich bekam ein paar mal die Gelegenheit das Wort 'verschwundengelassen' zu benutzen)

Freitag, 1. Mai 2009

Locke in Oxford (Commonplace Books)

Von 1652 bis 1684 hatte Locke ein Studentship am Christ Church College in Oxford inne. Wenn man aber von Lockes Oxford Periode spricht, so meint man meist die Zeit von 1652 bis 1667, da er danach die meiste Zeit beim Graf von Shaftesbury in London verbrachte.

Ein Studentship an der Christ Church ist zu vergleichen mit einem sogenannten Fellowship an anderen Colleges: Eine Art Stipendium, verbunden mit einem Gehalt und gewissen Rechten und Pflichten. Der Unterschied zwischen den Studentships der Christ Church und den Fellowships anderer Colleges in Oxford war, dass erstere keinen Einfluss auf die Verwaltung von Christ Church hatten. Inhaber eines Studentship waren wiederum aufgeteilt in drei Gruppen: Scholares, Philosophi und Theologi mit jeweils wachsendem Einkommen und auch wachsenden Pflichten. Das erreichen der jeweils höheren Gruppe hing dabei allein vom Alter ab.

Locke wurde dabei, wie jährlich 5-6 andere Schüler von Westminster School, für ein Studentship ausgewählt. Bis 1667 verliefen seine Studien in normalen Bahnen: 1659 gehörte er zu den Philosophi. Als Philosophus ist er 1661/62 Dozent für Griechisch und 1663 Dozent für Rhetorik. Im Jahr 1664 ist er Zensor für moralische Philosophie, ein erster Hinweis auf seine späteren Interessen. 1665 wird er Theologi und wird 1666 durch eine köngliche Befreiung von vielen damit einhergehenden Pflichten befreit.

Lockes Interessen in dieser Zeit sind vor allem auf die Medizin (und zu geringerem Grade auf die Chemie) gerichtet. Er liest viel von Boyle zu Themen der experimentellen Philosophie, die später einmal zu den Naturwissenschaften werden soll. Boyle war auch sein wissenschaftlicher Mentor in seinen Studien.

Etwa um 1660 beginnt Locke auch Descartes zu lesen und hat so (auch wenn er eher an Descartes Gedanken zur experimentellen Philosophie interessiert ist) seinen ersten Kontakt mit Erkenntnistheorie im philosophischen Sinn. Descartes wird nach Boyle der zweite Mann, der ihn maßgeblich beeinflussen wird.

Locke ist einzigartig dadurch, dass er nicht über die Physik oder die Mathematik (wie Leibniz, Descartes) zur Philosophie kommt, sondern über die Medizin und die Chemie. Bis 1667 behandelten fast 50% der von ihm gelesenen Bücher Medizin und weitere 15% die Naturwissenschaften. Die Philosophie nimmt zu diesem Zeitpunkt erst knapp 5% seiner Bibliothek ein.

Es ist nun eine Randnotiz wert, darüber zu sprechen, wie heutige Historiker an derart genaues Wissen über Lockes Interessen kommen. Locke hatte die Angewohnheit (neben Briefen und Tagebüchern) sogenannte Commonplace Books zu führen. Ein Commonplace Book ist ein Buch in dem man interessante Argumente / Zitate / Gedichte / ... aus anderen Büchern, die man gerade liest, aufschreibt. Dies macht man normalerweise nach einem System, damit man seine Zitate auch wiederfindet. Für Historiker ist so ein Buch natürlich eine wertvolle Quelle (allgemein sind von Locke sehr viele Commonplace Books, Briefe und Journale erhalten geblieben) und, wie ich finde, ist es auch ein schöner Brauch, so ein Buch zu führen.

Dienstag, 7. April 2009

Die Saga von Egil

Die Saga von Egil ist mein erster Ausflug in die Welt der Wikingersagen und es wird wahrscheinlich mein letzer bleiben. Zwar ist es schön, die Orte aus Island in der Wikingersaga wiederzuerkennen und es ist sehr interessant, dass die Saga zumindest in großen Teilen auch der wirklichen Geschichte entspricht, aber dennoch fällt das Fehlen vieler moderner Stilmittel negativ auf und die große Anzahl von unwichtigen Nebenpersonen, die alle mit Namen eingeführt werden, macht die Erzählung relativ unübersichtlich.

Und doch gibt es eine besonders schöne Sache in dieser Saga und das sind die Wikingergedichte und das Stilmittel des Kennings, bei dem es darum geht ein einfaches Wort blumig zu umschreiben. Das folgende Gedicht wurde z.B. von Egil gedichtet, um dagegen zu protestieren, das König Eirik ihn um das Erbe seiner Frau Asgerd betrügen will:

Sklavengeboren, sagt der Dorne Dorn,
sei meine Hornstrom Bringerin,
Önund nur seinen Eigennutz
immer in Gedanken hat.
Speerschüttler: Der Spangen Norne
zum Erbe geboren ist!
Nimm, Audis Nachfahr, klare
Eide - beeiden kann man dies!

Erklärung der Kennings:
Dorne Dorn = Baum der Spangen = Mann
Hornstrom = Strom der Hörner = Bier, Met
Bringerin des Hornstroms = Bringerin des Biers = Frau (natürlich)
Speerschüttler = König Eirik
Norne der Spangen = Frau, hier: Asgerd
Audi = früherer König
Audis Nachfahr = König Eirik


Gerade über die Kennings wird viel der Gedankenwelt der Wikinger offengelegt, da sie oft verraten wofür ein Begriff wie Bier oder Frau steht oder mit was er in Verbindung gebracht werden kann. Und dieses Wissen um die Gedankenwelt der Wikinger ist auch das, was ich aus der Saga für mich mitnehmen werde.

Montag, 6. April 2009

Reykjavik 2: Kunst

Am 2. Tag in Keflavik haben wir (in den Zeiten, in denen wir nicht auf Busse warteten, in dem Zusammenhang ist auch das Wort Scatterbrain sehr schön und passend) neben dem Kolaportið Flohmarkt (mit einer riesengroßen Auswahl an isländischen Büchern, ich muss unbedingt isländisch lesen lernen) vor allem verschiedene Kunstgallerien in Reykjavik besucht.

In Kunstgalerien darf man leider meistens keine Fotos machen. Im Hafnarhusio habe ich aber einfach mit der Regel gebrochen und ein paar Fotos der Gemälde von Erro gemacht. Gerade das Bild mit Mao vor der New Yorker Skyline fand ich sehr aufwühlend, erschreckend und auch beeindruckend. Zur Erro Game Gallerie gab es auch eine Anzahl "Bauklötze" mit denen man die dort gezeigten Bilder in der Gallerie nachbauen konnte. Eine interessante Idee, um den Besucher tiefer in die Kunst miteinzubeziehen.

Danach waren wir auch (diesmal ohne Fotos) in der Nationalgallerie. Besonders schön war ein Bild, auf dem einige unleserliche Schriftfetzen recht chaotisch angeordnet waren. Schrift, selbst unleserliche, hat immer etwas magisches, finde ich. Zu einem Zettel, den man zufällig auf der Straße findet und liest kann man sich tausend Geschichten denken. Und es macht Spaß, selber zufällige Zettel zu verteilen und sich auszumalen, was für Gedanken man dabei bei anderen Menschen auslöst.

Auch ein sehr beeindruckend war eine Bilderreihe über einen Performance-Kunst-Akt bei dem sich der Künstler als Statue verkleidet hatte und während einer Ausstellung plötzlich aufstand und ging. Die Statue weckte soviele Assoziationen (Kriegsopfer, griechischer Philosoph, Geist, Marmorstatue eines berühmten Menschen, ...) das es schade ist, nicht dabeigewesen zu sein.

Am Abend bin ich dann nach Keflavik gefahren und habe mich heute über Flugzeug und Bus wieder nach Paderborn vorgearbeitet. Ich vermisse das isländische Wetter, den Wind und die relative Kälte. Aber ich habe währenddessen Egils Sage zuende gelesen, also folgt demnächst noch ein (sogar zwei, da ich mir 101 Reykjavik am Flughafen gekauft habe) Beitrag zu Island.

Sonntag, 5. April 2009

Reykjavik 1(01): Eis Tölt

Wie die meisten unter euch wissen bin ich ein aufmerksamer Verfolger von Dressurreitwettbewerben. Wie vielleicht weniger wissen gibt es auf Island die Islandpferde (keineswegs Islandponys, auch wenn sie nur etwa deren Größe erreichen), die eine besondere Gangart beherrschen: Das sogenannte "Tölten" (ursprüngliche wurde diese Gangart von vielen europäischen Pferden beherrscht, aber mit dem Untergang des Reitens als Transportmöglichkeit ging auch das Tölten als Gangart unter).

Im Tölt ist die Fußfolge des Pferdes genau wie im Schritt hinten links, vorne links, hinten rechts, vorne rechts. Anders als im Schritt wechseln sich im Tölt jedoch Ein- und Zweibeinstützen ab (Es ist immer mindestens ein, in einigen Phasen zwei Beine auf dem Boden). Das ermöglicht zum einen sehr hohe Geschwindigkeiten (die annährend die eines gallopierenden Pferdes erreichen können) und zum anderen eine sehr hohe Stabilität für den Reiter, der kaum Erschütterungen ausgesetzt ist.

In Reykjavik gab es nun am Samstag ein Eistölt-Turnier. Wie der Name schon sagt geht es dabei darum die Pferde auf einer Eisfläche (!) möglichst elegant tölten zu lassen. Wie beim Dressurreiten werden die Durchgänge mit Noten zwischen 0.0 (sehr schlecht) und 10.0 (sehr gut) bewertet. Ina, Sontje und ich konnten also den Abend damit verbringen, die Islandmeisterschaften im Tölten zu betrachten, und die (im Großen und Ganzen) technisch hervorragende Ausführung dieser einzigartigen Gangart zu bewundern.

Ina hat sogar mit meiner Kamera ein Video gedreht, dass ihr hier findet. Beachtet vor allem, wie flüssig die Bewegungen der Pferde auf dem Eis sind, auf dem Menschen Probleme haben zu laufen. Am Ende des Videos kommt es leider zu einem technischen Fehler, da das Pferd auf dem Eis abrutscht und die Berandung berührt. Fotos vom Tölten und von einigem anderen in Reykjavik gibt es auch hier. Außerdem wurde das alte Bifröst Album mit den Fotos von unserer Wanderung zum Wasserfall aktualisiert.

Montag, 22. September 2008

Kneipenlesung

Gestern Abend war die Paderborner Kneipenlesung diesmal zu Thema "Brutalst möglich". Und brutal waren die gelesenen Abschnitte auch, meistens zum Glück brutal lustig mit viel schwarzem Humor z.B. über einen Mann, dessen einzige Problemlösungsstrategie war auszurasten und zuzudrücken: Erst bei der Freundin, dann bei der Tube mit Ketchup ("Warum war Ihr Shirt so blutverschmiert?" "Das ist kein Blut, das ist Ketchup. Nach dem Mord wollte ich eine Currywurst essen, aber der Ketchup wollte nicht aus der Tube - da bin ich ausgerastet und habe zugedrückt")), schließlich (von außen) bei seiner eigenen Wohnungstür, die seine Familie entgegen seiner Anweisung offen gelassen hatte.

Mindestens einmal wurde es auch richtig brutal (detaillierte Beschreibungen von Gewalt wirken, dank meiner wilden Phantasie, meist stärker auf mich, als entsprechende Filme), was uns zu einer Diskussion über Tabus und den Zwang zu Tabubrüchen brachte: Es wird durch vorhergehende Tabubrüche immer schwerer, noch Tabus zum brechen zu finden.

Und wäre es nicht fast ein wahrhaftigerer Tabubruch z.B. eine Geschichte über einen Vergewaltiger zu erzählen, bei dem die Resozialisation (was ein häßliches Wort übrigens) zur Abwechselung erfolgreich verläuft?

Freitag, 4. Juli 2008

Cross Channel

Kurzgeschichten sollen kurz und fesselnd seinen, einen oder vielleicht zwei Punkte gut und prägnant rüberbringen, vielleicht eine überaschende Wendung enthalten.

Die meisten Kurzgeschichten in Cross Channel tun dies leider nicht: Sie plätschern dahin, fangen irgendwo an, hören irgendwo auf, erzählen beliebiges aus beliebigen Leben, so meint man. Kaum eine Geschichte wo man am Ende denkt, auch tatsächlich eine Geschichte gelesen zu haben und nur eine einzige, die mich wirklich überzeugt hat: Experiment (dank einer schönen Wendung am Schluss).

Der Rest hat teilweise einen schönen Anfang, der auf mehr hoffen lässt, verliert sich dann aber stets in Nebensächlichkeiten oder versucht nichteinmal, einen Punkt zu machen. Zwei englische Frauen, die ein Weingut in Frankreich kaufen, ein Komponist, der stirbt während sein letztes Stück aufgeführt wird, eine Geschichte über den Autor selbst, der im Zug reist... banal beschreibt es wohl am besten. (banal ist übrigens ein sehr schönes Wort)

Dafür muss man aber sagen, dass die öffentliche Bibliothek in Mountain View ein hervorragender Ort zum lesen ist, eine Schande, dass ich sie nie früher besucht habe und erst Vincenz mich darauf hinweisen musste: Bequeme Sessel, ein Kamin und eine sehr umfangreiche Zeitschriftensammlung (unter anderem mit Zeitschriften über Archäeologie und dem National Geographic) lassen keinen Vergleich zur Stadtbibliothek in Paderborn. 

Desweiteren habe ich gestern versucht mein Geld nach Deutschland zu bekommen. Mal schauen ob der Wire Transfer geklappt hat, dank zunächst falscher IBAN Nummer bin ich mir da nicht so sicher... Interesting Times again...

Mittwoch, 2. Juli 2008

Mendocino

Bis heute dachte ich, es gibt keine schönen amerikanischen Kleinstädte. Mendocino hat dieses vorschnelle Urteil gründlich aus dem Weg geräumt. 

Cafes, die man erst erreicht, wenn man durch zwei bis drei Hinterhofgärten gegangen ist, unzählige kleine Kunstläden mit Gallerien, ein Skulpturgarten und die Gallery-Buchhandlung prägen ein wesentlich besseres Bild als ich es bisher von den Städtchen hier gewohnt bin. Das Mendocino dann noch vom Mendocino Headlands Statepark umgeben ist und auf einem malerischen Kliff liegt wirkt fast übertrieben.

Mendocino ist eine kleine Künstlergemeinde, so scheint es. Politische Aussagen gegen die Irak Krieg in vielen Cafes, ein Burgerrestaurant das vegetarische Burger macht, Läden die Hanfkleidung verkaufen gemischt mit spirituell angehauchten Geschenkläden. Wenn man genau sein möchte ist Mendocino wohl eine kleine, reiche Künstlergemeinde: Soviele Juweliere wie hier sah ich selten auf einem Fleck und die Preise in den meisten Restaurants würden mich normalerweise an Familienplatten denken lassen.

Außerdem habe ich heute morgen in Ukiah ein holländisches Cafe (mit echtem Brot und sehr leckerem Salat), einen Thrift Store (wo ich ein Buch von und über sieben Astronauten erstanden habe) und die dortige Buchhandlung ("Howl" wurde dort gekauft) besucht.

Ich glaube die amerikanischen Buchhandlungen sind mithin das was ich am meisten vermissen werde: Sie sind einfach viel liebevoller gemacht, als die meisten deutschen. Überall gibt es etwas zu entdecken, oder besondere Bücher zu denen Mitarbeiter oder Gäste eine Rezension geschrieben haben. Nicht zu vergessen, dass sie gerne bequeme Sessel oder Sofas zum schmökern haben.

Fotos kommen, sobald ich mein Kamera-Computer Verbindungskabel wiederhabe.


Sonntag, 22. Juni 2008

Praktikumszeugnis

In Deutschland ist es üblich nach einem Praktikum ein Praktikumszeugnis zu bekommen. Diese Praktik ist hier (leider oder Gott sei dank?) fast unbekannt (stattdessen gibt man References: Kontaktinformationen eines Mitarbeiters oder Vorgesetzten der auf Anfrage Auskunft gibt.).

Mein Host hatte also keine Ahnung wie man soetwas schreibt. Und die Vielzahl an mit gTranslate übersetzten deutschen Seiten zu Praktikumszeugnissen hat uns eine heitere halbe Stunde verschafft ("Durch seine Geselligkeit trug er zur Verbesserung des Betriebsklimas bei" bedeutet, das er oft betrunken war?) 

Letztendlich führt die deutsche Vorschrift, das nichts Negatives in einem Praktikumszeugnis genannt werden darf nur dazu, das eine neue Sprache entsteht, die außenstehenden ersteinmal beigebracht werden muss.

Und mein Image als direkter Deutscher leidet.

Montag, 16. Juni 2008

Lake Tahoe: Echo Lake Trail, Smaragd Bay und Harrahs Kasino

Operas are the chickflick version of theatre

(Kommentar auf dem Echo Lake Trail)

Die letzten zwei Tage waren Kripa, Karthik, Balaji und ich unterwegs nach Lake Tahoe an der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada.

Die Autofahrt selbst dauerte ungefähr 5 Stunden (aber es war einer der beeindrucksten Roadtrips, die ich hier hatte: Zu Beginn gingen die Highways schnurgerade durch hügeliges Gelände und später wanden sie sich die Berge zu Lake Tahoe hoch) und als wir gegen 16:00 in South Lake Tahoe ankamen (wir haben übrigens im Vagabond Inn dort übernachtet) blieb kaum noch Zeit für eine kurze Paddelbootfahrt am Strand entlang und dann einen kurzen Abstecher zum Emerald Bay (den ich besser durch Fotos beschreibe) mit einem Abendessen am See (Waldorfsalat und zudem sehr lecker gemacht. Außerdem ist es sehr vorteilhaft mit Indern zu essen: Sie sind zu 90% auch Vegetarier).

Danach ging es dann ins Kasino, wo ich Menschen zuschauen durfte, die geistlos vor Slotmaschinen saßen (wie kann man stundenlang vor einem Automaten sitzen und nur einen Knopf drücken? Karthik hat es aber richtig gemacht: Da während des Spielens die Getränke umsonst sind dürfte er deutlich im Plus sein). Einige interessantere Spiele gab es auch (BlackJack und verschiedene Pokervarianten), aber das interessanteste war es, die Menschen zu beobachten (der Großteil vermutlich Touristen, einige verbissene Spieler und die aufgedonnerten Mädchen, die vermutlich das einzige Spiel mit positivem Erwartungswert spielen: Fange den großen Gewinner)

Heute morgen sind wir dann den Echo Lake Trail bis nach Tamarack gewandert. Und dabei habe ich meine nächste Buchempfehlung bekommen: Ein Buch über einen Menschen, der mit einem Zoo von Australien nach Kanada reist, dessen Schiff sinkt und der sich mit einem Zebra und einer Hyjene in einem Rettungsboot wiederfindet. Ich muss nur noch Balaji nach dem Titel fragen... (meine Rückempfehlung waren Bücher von Paul Coehlo, von dem er nur den Alchemisten mal gesehen, aber nie gelesen hat)

P.S. : Fotos kommen sobald Picasa und das NASA Wifi mir wohlgesonnen sind

Donnerstag, 5. Juni 2008

The Septembers of Shiraz

He remembers how on a summer stroll along the promontory of a southwestern French town, once a Victorian resort, he had seen such an engraving - Jacques 1896- and the sadness he had felt on seeing it. He saw this Jacques with his walking stick and tailcoat, breathing in the cool Atlantic wind, discussing with friends topics of his day before returning to his hotel for afternoon tea. And as he stood in the sun, looking at the autographed rock, Isaac felt jealous suddenly of those who would stroll on the same promenade centuries after him.

When the door opens, it is still dark. He sits up on the mattress. Has the time come? Two guards walk in. "Brother, follow us,"

Das erste, was mir an The Septembers of Shiraz auffiel, war das Coverbild: Es erinnerte mich an Persepolis, einen der schönsten Filme, die ich je gesehen habe. Genau wie Persepolis dreht sich die Geschichte in The Septembers of Shiraz um die Geschehnisse nach der islamischen Revolution im Iran.

Isaac, ehemals ein reicher (aber nicht sehr reicher) Diamantenhändler wird verhaftet. Seine Frau und seine Tochter sehen sich einer dramatisch veränderten sozialen Struktur gegenüber: Ehemals zur Oberklasse gehörend, werden sie nun von der herrschenden Klasse verachtet. Isaac und seine Familie sind Juden, ein weiterer Grund, warum die neuen muslimischen Herrscher ihnen nicht gut gesonnen sind, obwohl nie sehr gläubig waren.

Gleichzeitig lebt Isaacs Sohn Parviz in New York und gerät (erst wegen seines Geldmangels und später wegen Rachel) immer stärker mit der orthodoxen jüdischen Gemeinschaft dort in Kontakt. Auch er ist ein Außenseiter, aber hier gerade weil er nie sehr gläubig war.

Anders als Persepolis ist das Buch keine Autobiographie (auch wenn es starke autobiographische Elemente enthält), aber es gelingt ihm trotzdem einen sehr eindringlichen Eindruck der Verhältnisse im Iran zu schaffen. Viel Zeit wird darin investiert, die Motivation und Gefühle jeder der beteiligten Seiten zu schildern: Von der Verzweifelung der Familie Isaacs bis zum Triumphgefühl des Folterers, der ehemals selbst vom Shah gefoltert wurde.

Man kann durchaus sagen, dass The Septembers of Shiraz es geschafft hat in mir ein ähnliches Gefühl hervorzurufen wie Persepolis.

Montag, 2. Juni 2008

Cupcake Festival und jüdische Musik

Heute bin ich mit Greg zum Cupcake Festival nach San Fran gefahren, hauptsächlich weil ich wissen wollte was ein Cupcake Festival ist.  

Nun. Ein Cupcake ist tatsächlich genau was man sich darunter vorstellt: Ein kleiner Kuchen.
Leider hatten die Veranstalter des Festivals in ihrer unbegrenzten Weisheit darauf bestanden die Regeln für das Mitbringen von Cupcakes sehr restriktiv zu gestalten (Aus der Eventbeschreibung sinngemäß: "Wenn jeder 12 Cupcakes mitbringt, haben wir bei 10 Leuten schon 120 Cupcakes!! Wer soll das den essen??"), so das es leider keine Cupcakes mehr gab als wir ankamen. Außerdem war das Festival nicht etwa unter freiem Himmel an Tischen wie ich es mir vorgestellt hatte, sondern in einem kleinen engen Raum mit Massen an Menschen, die kostenlose Cupcakes wollten. 

Zudem war Greg mir unsympathisch: Sein Hauptgrund für den Besuch des Festivals war die Suche nach jungen, attraktiven Frauen und er war weder an richtigen Gesprächen (mit mehr als einer Meinung) noch an sonstetwas anderem wirklich interessiert.

Gerettet wurde der Tag dann von Matt und David, die beide auch zum Cupcake Festival gekommen waren. Bei einem Gespräch im Subways habe ich dann von einem guten Texteditor für den Mac erfahren (Textwrangler, der hoffentlich bald meinen Standart Texteditor ersetzt) und von einem Spiel, dass den Israel-Palästestina Konflikt simuliert: Peacemaker. 

Danach bin ich in den Buerba Gardens über ein jüdisches Fest gelaufen. Bands haben gespielt (ich mag hebräische Musik, sie hat oft etwas sehnsüchtiges) und ich habe mir das Album "The Idan Raichel Project" gekauft,  aber die Musik dort ist nicht so gut wie die auf dem Konzert. Der Instrumentalpart ist zu schwach.

Sonntag, 25. Mai 2008

From Mountain View to Morro Bay

Meine Eltern machen für die nächsten 2 Wochen Urlaub in Kalifornien und ich spiele an den Wochenenden ein wenig Reiseführer für sie.

Heute sind wir in einem Mietwagen die Big Sur von Monterey bis nach Morro Bay herunter gefahren. Big Sur ("großer Süden") wird die Pazifikküste Kaliforniens in diesem Gebiet genannt (siehe auch Big Sur von Jack Kerouac), die sich vor allem durch felsige Klippen, steile Abhänge und einige wunderschöne, schwer zu erreichende Strände auszeichnet. 

Die Route 1 windet sich am Abhang entlang und über einige weite Brücken über Abgründe oder kleine Flüsse und man kann die Aussicht auf den Pazifik oder die Berglandschaft genießen.

Morro Bay ist eine kleine Hafenstadt, die sich vor allem durch den namensgebenden Morro Rock auszeichnet: Ein großer, vor der Stadt im Meer liegender Fels. Leider konnten wir Morro Bay nur kurz besichtigen, da die Fahrt entlang der Big Sur schon viel Zeit in Anspruch genommen hatte aber vielleicht komme ich nocheinmal zum wandern dorthin (oder zu einem der vielen State Parks entlang der Big Sur).

Fotos findet ihr hier.

Donnerstag, 1. Mai 2008

Poetry Reading

Poetry Reading

I'm curled into a ball
like a dog
that is cold.

Who will tell me
why I was born,
why this monstrosity
called life.

The telephone rings. I have to give
a poetry reading.

I enter.
A hundred people, a hundred pairs of eyes.
They look, they wait.
I know for what.

I am supposed to tell them
why they were born,
why there is
this monstrosity called life.

Anna Swir
(1909-1984)

Ich habe übrigens letztens bei Google in einem der kleineren Cafes The Complete Work of Shakespeare gefunden. Direkt neben Freuds Abriß der Psychoanalyse. Eine der schönen Dinge hier ist, dass überall kleine Bibliotheken mit ein oder zwei Regalen mit Büchern sind (Und die meisten dieser Regale sehen aus, wie Bücherregale auszusehen haben: Verschnörkeltes, dunkles, altes Holz). Einige davon sind sogar so gedacht, dass man eigene Bücher dalassen soll und dafür welche aus dem Regal mitnimmt. Das Gedicht oben ist aber nicht dorther, sondern aus einem Gedichtband, den ich in San Fran gekauft habe, Anna Swir hat in vielen ihrer Gedichte eine Tendenz dazu mich wirklich zu berühren.

Mittwoch, 30. April 2008

Foosball...

... ist ein englisches Wort. Es bedeutet soviel wie hierzulande "Kicker". Irgendwie muss ich aber immer, wenn ich es höre an niederländische Worte wie "Interactief, snel en eenvoudig een homepage maken" denken... und daran, dass dieses Wort wohl das englische Äquivalent zu unserem Handy ist...

Fußball ist was anderes :-)

Und es gibt einen öffentlichen Googleblog Post zu dem was mein Team (unter anderem) tut.

Montag, 28. April 2008

Logorrhea

Es gibt Worte, die einem durch ihren Klang oder ihr Erscheinungsbild sofort ins Auge fallen. Man will wissen, was dieses Wort bedeutet und wo es herkommt.

Der Kurzgeschichtenband Logorrhea enthält zu 21 Worten, die einmal entscheidend beim National Spelling Tree waren, je eine Kurzgeschichte.

Es ist schwer ein solches Buch hier angemessen zu beschreiben, denn dazu müsste ich jede Geschichte beschreiben (und diese waren von sehr unterschiedlicher Qualität) und dazu fehlt mir die Zeit. Wenn ich das Buch auf einen Nenner bringen würde, so wäre das Wort mit dem ich es beschreiben würde "leise".

Die schlechteren Geschichten (Lyceum z.B. oder The Euonymist , obwohl die Worte zu den schönsten gehören) rauschen an einem vorbei, ohne irgendeinen Eindruck zu hinterlassen.
Die besten Geschichten malen Welten, oder vielmehr: Sie deuten mit zarten Pinselstrichen Welten an, die durchaus ganze Romane verdient hätten. Appoggiatura zum Beispiel, oder A Portrait in Ivory zum Wort Insouciant gehören zu dieser Kategorie. 

Am meisten Eindruck hinterlassen hat The Cambist and Lord Iron: A Fairy Tale of Economics auch wenn die Logik teilweise leider Lücken hatte. Es geht um einen Devisenhändler (Cambist), Olaf Neddelsohn, der sich vor allem durch seine Regelmäßigkeit und Genauigkeit auszeichnet. Ein langweiliger Mensch würden viele vermutlich sagen. Ihm gegenüber steht Lord Iron, ein dekadenter Adeliger, der eines Tages ein böses Spiel mit Olaf treibt und ihn auffordert Geld eines völlig unbekannten Landes zu wechseln. Olaf ist dazu verpflichtet alle Devisen in 24 Stunden zu wechseln und gerät in Panik, den niemand in der Stadt kennt diese Währung.
Die Lösung des Problems ist lesenswert und ich will sie nicht vorwegnehmen. Der Rest der Geschichte hat dann leider einige Schwächen aber nichtsdestotrotz ein sehr schönes Ende.

Insgesamt waren die guten Geschichten sicherlich das Geld (und die Zeit für die schlechten Geschichten) wert.

Und auch wenn die Geschichte nicht gut war, will ich trotzdem in meinem Haus später ein Lyceum haben.

Freitag, 18. April 2008

Conference Bike

Jetzt bin ich auch mal in das Vergnügen gekommen, so ein Teil zu fahren. Hat Spaß gemacht, auch wenn die Gangschaltung schmerzlich vermisst wurde und deswegen nur eine geringe Maximalgeschwindigkeit zu erreichen war. 

Witzig war auch das wir (ein verrückter Haufen von Google Interns) so viele waren, dass wir noch ca 5 "normale" Fahrräder als Eskorte um uns hatten.

Gestern habe ich außerdem meinen ersten Tech Talk gesehen. Google hat ja ein Programm bei dem jede Woche ein paar Menschen (Wissenschaftler, Autoren, ...) nach Mountain View kommen und einen Vortrag halten. Ich hoffe mal, dass das Video relativ schnell veröffentlicht wird, so dass ich auch drüber reden darf :-)