Mittwoch, 30. Juli 2008

Effective C++

Eine Neuheit für dieses Blog: Die Rezension eines Fachbuches. Eine Neuheit auch für mich, da es das erste Fachbuch ist, dass ich wirklich durchgelesen habe.

Wenn man schon C++ programmiert kann man aus Effective C++ einiges neues lernen. Die drei wichtigsten Dinge für mich:

Der Sinn davon, Konstruktoren als explicit zu deklarieren.
Die genaue Funktionsweise des automatisch generierten Copy Constructors.
Die Erkenntnis, das Dinge wie shared_ptr frei verfügbar sind.

Was ich nicht so gut fand, waren die teilweise sehr ins Detail gehenden Erklärungen zu Templates und Template-Metaprogramming: Ich tendiere dazu einfache und übersichtliche Lösungen den übermäßig cleveren vorzuziehen.
(Randnotiz: Ich halte es für eine der größeren Probleme in der Informatik, dass viele Programmierer sich zu sehr komplizierten und "cleveren" Lösungen hinreißen lassen für minimale Zugewinne an Geschwindigkeit oder Speicherplatzverbrauch. Auf heutigen Systemen ist die Übersichtlichkeit des Codes oft viel wichtiger.)

Sonntag, 27. Juli 2008

Die Eleganz des Igels

Hör mir gut zu, mein auf dem Stuhl festgefrorener Herr. Wir beide werden einen kleinen Handel abschließen. Du läßt mich in Ruhe, und als Gegenleistung sehe ich davon ab, dein kleines Geschäft mit dem Unglück zu ruinieren, indem ich in den einflußreichen Politiker- und Geschäftskreisen von Paris üble Gerüchte über dich verbreite.

Paloma ist zwölf Jahre alt. Und sie hat fest beschlossen, sich an ihrem dreizehnten Geburstag umzubringen. Denn das Leben der Erwachsenen ist nur ein Goldfischglas (eine Analogie übrigens die erinnert an "Die alltägliche Physik des Unglücks"): Bis ins grenzenlose absurd, Machtspiele nur um sinnloser Dinge wegen. Der Mensch ist schließlich nur ein von biologischen Trieben gelenktes Tier.

Renee ist vierundfünfzig. Und Concierge in Palomas Wohnsiedlung. Und sie tut alles um dieser Rolle gerecht zu werden: Sorgfältig stellt sie sicher, dass man zu jeder Zeit die Töne des Fernsehers aus ihrer Wohnung vernimmt oder das sie den reichen Bewohnern mit der gebührenden Ignoranz gegenübertritt. Denn Renee ist hochintelligent und verliebt in die Kunst und die Literatur, aber das darf keiner wissen.

Die Eleganz des Igels
ist ein witziger, fesselnder Roman über Klischees, Rollen, Sinn in der modernen Gesellschaft und vieles mehr. Die beiden Protagonisten sind symphatisch und interessant, ihre jeweiligen Lebensstile faszinieren mich.

Nur am Ende flacht der Roman etwas ab, verfällt in die Klischees, die er eigentlich vermeiden wollte. Und das eigentliche Ende selbst kommt hier abrupt und (fast) unpassend. Trotzdem, allein für die ersten drei Kapitel ist das Buch lesenswert.

Freitag, 25. Juli 2008

Das Image des Vegetariers und seine Auswirkungen auf das Supermarktsortiment

Vegetarier sind bekanntlich naturliebende Leute. Alles soll in seiner Ursprünglichkeit erhalten und gepflegt bleiben, je natürlich desto besser.

Der Vegetarier an sich tendiert deswegen dazu sein Essen, soweit es geht selbst herzustellen. Wenn man das Gemüse schon nicht selbst anbauen kann, so sollte es in einem möglichst gering verarbeiteten Zustand gekauft (wenn nicht selbst geerntet) werden. Gemüse also grundsätzlich roh, Brot als Mehl, und dazu natürlich das unverzichtbare und schlecht selbst anpflanzbare Tofu.

Auf der anderen Seite ist für den Nichtvegetarier eine Mahlzeit ohne Fleisch bestenfalls ein schlechter Snack (und selbst dort gibt es ja nun Würstchen am Stil). Ein wenig Beilage, vielleicht ein Alibi Salatblättchen, aber der Rest sollte dann doch schon aus Steak und Salami bestehen. Der Nichtvegetarier ist außerdem bequem und naturfremd: Er bevorzugt Fertigprodukte mit einer möglichst großen Anzahl an Inhaltsstoffen deren Name aus einem E und einer Nummer besteht.

Mein bevorzugter Supermarkt hat reagiert: Man nun die Auswahl zwischen einer Unmenge an nichtvegetarischen Fertigprodukten und einer ebenfallls beeindruckenden Auswahl an rohem Gemüse und sogar Tofu in verschiedenen Variationen.

Vegetarische Fertiggerichte für Aus-dem-Rahmen-Faller, die sich zwar viele Gedanken über die moralischen Auswirkungen des Fleischkonsums machen, aber trotzdem nach einem ereignisreichen Tag lieber etwas schnell in den Backofen schieben wollen als sich der komplizierten Kunst der Nahrungszubereitung aus Rohzutaten zu widmen, gibt es leider nicht mehr.

Donnerstag, 24. Juli 2008

Benefizkonzert

Die Amnesty Gruppe Paderborn war während meiner Abwesenheit nicht untätig: Die Organisation für das Amnesty Benefizkonzert im Oktober sind weit fortgeschritten, Bands wurden bereits organisiert, Plakate gedruckt und Räume gemietet. Was im Moment zu tun bleibt ist Werbung zu machen und zu versuchen, die Veranstaltungsankündigung in möglichst vielen lokalen Zeitungen und Zeitschriften zu platzieren.

Die Bands die auftreten werden sind:


Ich kenne noch keine einzige davon (etwas, was ich hoffentlich dank YouTube schnell nachholen kann), aber hoffe natürlich auf das beste (GenderTraffic hört sich gerade schonmal nicht schlecht an).

Noch ein paar Daten (Ja, dies ist Werbung!):

04.10.2008, 19:30, 6€ Abendkasse, 5€ Vorverkauf, Cafete der Kulturwerkstatt Paderborn.

Vorverkauf bei TicketDirect, die uns freundlicherweise sponsorn.

Mittwoch, 23. Juli 2008

Die Bücherdiebin

Hans Junior hatte von seinem Vater die Augen und die Körpergröße geerbt.
Aber das Silber in seinen Augen war nicht warm wie bei Papa; 
Es war geführert worden.

Die Bücherdiebin handelt von einem Mädchen, das alles verloren hat, ein neues Leben findet, und schließlich wieder alles verliert. Die Bücherdiebin handelt auch vom 2. Weltkrieg und vom Leben einer deutschen Familie. (Übrigens das erste Buch über den 2. Weltkrieg, das ich aus dieser Perspektive gelesen habe)

Vor allem aber handelt die Bücherdiebin davon, wie Freundschaft, Mitgefühl und nicht zuletzt Menschlichkeit sich angesichts des Grauens wieder und immer wieder aufbäumen um kleine Siege und noch größere Niederlagen zu erkämpfen.

Als das geschrieben aus der Perspektive eines, seltsam anteilnehmenden, Todes (Und man muss sich vorstellen, wie schwer es für den Tod sein muss, Anteil am Leben einzelner Personen zu nehmen) in einem Stil, den ich auch hier zuerst gelesen habe.

Ein beeindruckendes Buch.

Mittwoch, 16. Juli 2008

Laufen und die Zukunft dieses Blogs

Heute und gestern bin ich mit Freunden laufen gewesen. Ich liebe das Gefühl, das man hat, direkt nachdem man seine Strecke abgelaufen hat: Man fühlt das man etwas getan hat und sich körperlich angestrengt hat. Danach kann zumindest ich auch viel besser lernen oder programmieren.

Außerdem überlege ich noch inwieweit ich diesen Blog weiterführen werde. Vermutlich werde ich seltener posten als bisher, aber zumindest für Buchbeschreibungen will ich eigentlich weiter bloggen... zudem kommen ja sicher auch in Zukunft noch andere interessante Ereignisse und Reisen... aber trotzdem werden es wohl demnächst erstmal weniger Posts werden.

Dienstag, 15. Juli 2008

Ankommen

Im Moment bin ich ganz und gar mit dem Wiederankommen und den mehr oder weniger lästigen Pflichten, die sich daraus ergeben beschäftigt: Ein neues Handy will gekauft werden, ich muss zum Friseur, etc... (ich werde die Zeit aber auch nutzen um mir ein neues Buch zu kaufen)

Schön aber, meine Freunde hier wiederzusehen, auch wenn ich auf der der Überraschungsfeier noch so müde war, das ich nach ein paar Stunden ins Bett gegangen bin.

Schön auch, das die Welt endlich mein bevorzugtes Eingabegerät als etwas besonderes anerkennt.

Außerdem war gestern die Projektgruppenvorstellung. Ich werde wohl die Projektgruppe hier nehmen und kann mich auf Greenfield Engineering freuen.

Freitag, 11. Juli 2008

Servicewüste Deutschland

Ich stieg in den Bus ein und verlangte eine Fahrkarte zum Hauptbahnhof. Anstandslos und freundlich wurde mir diese Fahrkarte verkauft. Ich setzte mich in den Bus und...

... merkte erst eine ganze Zeit später das dieser Bus überhaupt nicht zum Hauptbahnhof fuhr.

Was sich der Busfahrer wohl gedacht hat?

Mittwoch, 9. Juli 2008

Back in Germany

Nach insgesamt 22 Stunden Bus, Bahn, Flugzeug, Bahn bin ich nun wieder in Deutschland angekommen und lasse es mir erstmal beim Nichtstun gutgehen.

Der beste Moment der Rückreise war im Flugzeug als 21 gezeigt wurde. Nicht nur, das der Film sehr gut war, am Anfang kam auch noch folgendes Zitat vor:

"Why did Jimmy leave?"

"He got a job at Google."

Ich habe im Flugzeug laut gelacht.

Montag, 7. Juli 2008

Final Preparations

Mein Fahrrad gehört nun einem anderen. Schnüff. Auch wenn es die letzte Woche kaputt war, hat es mir hier 3 Monate großartige Dienste geleistet und ich werde es spätestens dann richtig vermissen, wenn ich auf mein Paderborner Fahrrad klettere.

Außerdem habe ich die große Karte fertiggemalt. Während meiner Reisen hier habe ich alle neuen Orte, die ich besucht habe auf der kleinen Karte festgehalten und sie nun auf die große Karte übertragen. Trotzdem finde ich, dass die kleine Karte besser aussieht. (Vor allem, weil sie eine gleichmäßigere Hintergrundfarbe hat) Ich werde sie wohl vor meine Tür hängen.

Die Koffer sind zu 95% gepackt und ich habe noch ein paar ruhige Stunden zum Lesen. Morgen werde ich mal schauen, ob ich mein Flugzeug finde. (Hmmm, das letztemal das ich ein Flugzeug betreten habe hat es ja damit geendet das ich in 13.000 Fuß Höhe rausgesprungen bin...)

Samstag, 5. Juli 2008

Raketen im Nebel

Gestern war Independence Day, ein Tag der hier traditionell mit beeindruckenden Feuerwerken gefeiert wird.

So auch in San Fran: Punkt 21:30 wurde eine beeindruckende Anzahl von Raketen in den beeindruckend dichten Nebel geschossen. Die gesamte Beeindruckentheit des Feuerwerks wurde schon durch die beeindruckenden Geräusche der im Nebel explodierenden Raketen deutlich. Zu dem färbte sich der Nebel von Zeit zu Zeit in beeindruckenden Farben: Rot, orange blau und von Zeit zu Zeit sah man einzelne Leuchtkörper in den beeindruckend wenig Lücken im Nebel.

Eine beeindruckende Verschwendung von Geld, mussten wir sagen. Dafür gibt es aber hier beeindruckende Fotos vom Ereignis.

Freitag, 4. Juli 2008

Cross Channel

Kurzgeschichten sollen kurz und fesselnd seinen, einen oder vielleicht zwei Punkte gut und prägnant rüberbringen, vielleicht eine überaschende Wendung enthalten.

Die meisten Kurzgeschichten in Cross Channel tun dies leider nicht: Sie plätschern dahin, fangen irgendwo an, hören irgendwo auf, erzählen beliebiges aus beliebigen Leben, so meint man. Kaum eine Geschichte wo man am Ende denkt, auch tatsächlich eine Geschichte gelesen zu haben und nur eine einzige, die mich wirklich überzeugt hat: Experiment (dank einer schönen Wendung am Schluss).

Der Rest hat teilweise einen schönen Anfang, der auf mehr hoffen lässt, verliert sich dann aber stets in Nebensächlichkeiten oder versucht nichteinmal, einen Punkt zu machen. Zwei englische Frauen, die ein Weingut in Frankreich kaufen, ein Komponist, der stirbt während sein letztes Stück aufgeführt wird, eine Geschichte über den Autor selbst, der im Zug reist... banal beschreibt es wohl am besten. (banal ist übrigens ein sehr schönes Wort)

Dafür muss man aber sagen, dass die öffentliche Bibliothek in Mountain View ein hervorragender Ort zum lesen ist, eine Schande, dass ich sie nie früher besucht habe und erst Vincenz mich darauf hinweisen musste: Bequeme Sessel, ein Kamin und eine sehr umfangreiche Zeitschriftensammlung (unter anderem mit Zeitschriften über Archäeologie und dem National Geographic) lassen keinen Vergleich zur Stadtbibliothek in Paderborn. 

Desweiteren habe ich gestern versucht mein Geld nach Deutschland zu bekommen. Mal schauen ob der Wire Transfer geklappt hat, dank zunächst falscher IBAN Nummer bin ich mir da nicht so sicher... Interesting Times again...

Donnerstag, 3. Juli 2008

Fotos

Die Fotos von Ukiah und Mendocino sind nun online. Vielleicht kommentiere ich sie im Laufe des Tages auch noch.

Mittwoch, 2. Juli 2008

Mendocino

Bis heute dachte ich, es gibt keine schönen amerikanischen Kleinstädte. Mendocino hat dieses vorschnelle Urteil gründlich aus dem Weg geräumt. 

Cafes, die man erst erreicht, wenn man durch zwei bis drei Hinterhofgärten gegangen ist, unzählige kleine Kunstläden mit Gallerien, ein Skulpturgarten und die Gallery-Buchhandlung prägen ein wesentlich besseres Bild als ich es bisher von den Städtchen hier gewohnt bin. Das Mendocino dann noch vom Mendocino Headlands Statepark umgeben ist und auf einem malerischen Kliff liegt wirkt fast übertrieben.

Mendocino ist eine kleine Künstlergemeinde, so scheint es. Politische Aussagen gegen die Irak Krieg in vielen Cafes, ein Burgerrestaurant das vegetarische Burger macht, Läden die Hanfkleidung verkaufen gemischt mit spirituell angehauchten Geschenkläden. Wenn man genau sein möchte ist Mendocino wohl eine kleine, reiche Künstlergemeinde: Soviele Juweliere wie hier sah ich selten auf einem Fleck und die Preise in den meisten Restaurants würden mich normalerweise an Familienplatten denken lassen.

Außerdem habe ich heute morgen in Ukiah ein holländisches Cafe (mit echtem Brot und sehr leckerem Salat), einen Thrift Store (wo ich ein Buch von und über sieben Astronauten erstanden habe) und die dortige Buchhandlung ("Howl" wurde dort gekauft) besucht.

Ich glaube die amerikanischen Buchhandlungen sind mithin das was ich am meisten vermissen werde: Sie sind einfach viel liebevoller gemacht, als die meisten deutschen. Überall gibt es etwas zu entdecken, oder besondere Bücher zu denen Mitarbeiter oder Gäste eine Rezension geschrieben haben. Nicht zu vergessen, dass sie gerne bequeme Sessel oder Sofas zum schmökern haben.

Fotos kommen, sobald ich mein Kamera-Computer Verbindungskabel wiederhabe.


Dienstag, 1. Juli 2008

On the road again: Ukiah und die Stadt der tausend Buddhas

Heute bin ich nach Ukiah hochgefahren, so ziemlich die nördlichste Stadt die ich erreichen kann,  ohne zu nah an den Waldbränden zu sein. Die Fahrt entland der 101 ging durch die Weinberge bei Sonoma und erinnerte an den Ausflug nach Napa (selbst hier gibt es noch einige Weingüter).

3 Meilen östlich von Ukiah liegt die Stadt der tausend Buddhas: Eine ehemalige Irrenanstalt, die zu einer buddihstischen Lebensgemeinschaft umgewandelt wurde. Die Gebäude dort sind eine interessante Mischung aus buddhistischen Tempeln und alten Betonbauten (und es gab dort den wohl kitschigsten Laden, den man sich vorstellen kann... voller billiger buddhistischer Plastikfiguren, die ganze Zeit dudelte Meditationsmusik und hinter der Kasse träumte eine dicke Frau vor sich hin). Das Restaurant dort hatte den Stil einer Krankenhaus Cafeteria, aber deutlich besseres (und ausschließlich vegetarisches) Essen. Man erwartete aber, dass ich alles nur mit einer Gabel aß (Welches Geräusch macht das Klatschen mit einer Hand?), was schwer war. Und: Als ich das Restaurant verließ, viel mir auf, wie verraucht es hier ist (man kann auch einen deutlichen Brandgeruch wahrnehmen): Man sieht kaum die angrenzenden Hügel hinter dem grauen Dunst.

Als ich dann heute abend einen Einkaufsbummel durch Thriftstores und Buchläden machen wollte, entdeckte ich die unerwartet konsumentenfeindliche Stimmung von Ukiah: Alle Läden machen um 18:00 zu (bis auf den Safeway, der mein Abendbrot sicherte).