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Montag, 11. Januar 2010

Scamming the Scammers?

Eine weitverbreitete Form des Internet-Scams ist der sogenannter 419 Scam, bei dem (oft afrikanische) Betrüger versuchen, gutgläubigen Bürgern durch das Versprechen zukünftigen Reichtums viel Geld aus der Tasche zu ziehen.

Eine Gemeinschaft von selbsternannten Wächtern des Rechts hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Betrüger zu bekämpfen indem sie die Scammer ihrerseits an der Nase herumführen und ihnen möglichst viele Stöcke und Steine in den Weg zu legen.

Eine gute Idee?

Auf den ersten Blick ja: Recht kann im Internet oft nicht durchgesetzt werden, weil die Strukturen der Rechtswahrung der einzelnen Nationalstaaten oft völlig ungeeignet sind um gegen Rechtsverstöße, die über das Internet aus anderen Ländern begangen werden, vorzugehen. Und was kann es schaden, wenn eindeutige Betrüger auf amüsante Weise dazu gebracht werden, dem Opfer selbst Geld zu bezahlen oder ihm Photos zu schicken?

Und dann kommt eine Geschichte wie diese:

Follow along in the journey of two pathetic 419 scammers into one of the most violent and desolate places on earth, the Chad/Sudan border, where hundreds of thousands of Sudanese refugees have fled to avoid being killed by Sudanese guerillas.

Man beachte auch das die letzte Mail unseres erfolgreichen Helden:

Hi there Kuku,

How's Antarctica? Remember before when I told you that you were famous? Here's the website that made it all happen.
http://www.419eater.com/html/RoadToChadDarfur

Look, I know that you are probably still a little upset over what happened, but I was wondering if you could do me a HUGE favour. Could you send me your photograph? I never did get one of you and it would help me complete the website. As an extra insentive, I will put in a good word for you with your family, telling them that it is not your fault that Oney is either dead or someone's prison fuck-toy.

Thanks in advance for your cooperation.

Blessings,

Rev. Kuhm Belcher

Und nun fragt man sich: Geht es hier wirklich darum, die Unschuldigen zu beschützen und Betrüger zu nerven? Oder geht es darum eine Entschuldigung dafür zu finden, mit Menschen zu spielen wie mit Puppen und ihnen dadurch jegliches Mensch-sein abzusprechen?

Sonntag, 6. Dezember 2009

Datenkrake Google?

Nach langer Zeit habe ich mich entschlossen, wieder einen Artikel hier einzustellen.

In den letzten Wochen und Monaten und eigentlich auch schon seit längerem bekomme ich verstärkt den Eindruck, das Google von vielen meiner Kommilitonen vor allem als eine Datenkrake angesehen wird. Teilweise wurde ich nach meinem Praktikum sogar als gehirngewaschen bezeichnet (eine sehr einfache Position: Egal was ich sage. Der Grund ist die Gehirnwäsche. Allerdings übersehen diejenigen, dass ich bereits vor meinem Praktikum von Google überzeugt war).

Ich möchte hier deswegen (und weil viele auch aus Höflichkeit dieses Thema nicht direkt ansprechen wollen) versuchen, ein kohärentes Argument zu formulieren, warum ich diese Bedenken nicht teile. Ich würde mich freuen, wenn in den Kommentaren eine Diskussion über das Thema zustande kommt.

Kümmert sich Google nicht um Privacy?

Google ist immer noch eine junge Firma. Privacy wurde, gerade in den ersten Jahren, noch nicht als ein Kernthema angesehen. Man hatte eine Suchmaschine, dann kam ein Email-Dienst hinzu und schrittweise folgten mehr und mehr Dienste und Services. Privacy war zu diesen Zeiten noch kein großes Thema und wurde in diesem Durcheinander schlichtweg übersehen.

Dies ändert sich zur Zeit. Google hat hier eine Übersichtsseite eingerichtet, auf der sich jeder informieren kann, welche Informationen Google genau über ihn speichert. Außerdem können dort die Datenschutzbestimmungen aller benutzten Services eingesehen werden. Google erklärt außerdem in seinen Datenschutzbestimmungen hier genau, zu welchem Zweck Daten gesammelt werden. Im Hinweis für GoogleMail steht z.B.

Die Computer von Google werten die Informationen in Ihren Nachrichten aus verschiedenen Gründen aus, unter anderem zur Formatierung und Darstellung der Informationen für Sie, zur Schaltung von Anzeigen und verwandten Links, zur Vermeidung von unerwünschten Massen-E-Mails (Spam), zur Sicherung Ihrer Nachrichten und zu anderen Zwecken im Zusammenhang mit dem Angebot von Google Mail.

Man beachte dabei, dass hier von einer Auswertung von Computer gesprochen wird. Menschen schauen sich die Mails ohne weiteres garnicht an.

Auf die Auswertung durch Computer zu verzichten ist illusorisch: Googles Geschäftsmodell ist es, Geld mit dem Schalten von kontextueller Werbung zu verdienen. Der Kontext kann aber nur bestimmt werden, wenn eine Mail ausgewertet werden darf. Auch die Spambekämpfung kann nur effektiv durchgeführt werden, wenn Emails ausgewertet werden dürfen.

Desweiteren wird (selbstverständlich) auch der Verkauf von Daten an Dritte ausgeschlossen:

Auf keinen Fall verkaufen oder vermieten wir Ihre persönlichen Daten oder geben sie auf andere Art an Dritte weiter, außer in den wenigen in den Google-Datenschutzbestimmungen beschriebenen Fällen, wenn wir z. B. glauben, dass dies aus gesetzlichen Gründen erforderlich ist.

Fehler in Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen werden behandelt, wie technische Fehler auch und möglichst schnell behoben. Es ist im Leben allgemein meistens ratsamer Dinge, die durch Fehler erklärt werden können, nicht allzuschnell als Bosheit einzustufen.

Die üblichen Anmerkungen zu diesen Argumenten sind vor allem, dass man ja nicht wissen könne ob Google sich tatsächlich an diese Bestimmungen hält. Dies führt uns zu meinem zweiten Punkt.

Welche Motivation hat Google eigentlich, meine Daten auszunutzen?

Google ist umgeben von einem Schwarm an Medien, die sich auf jeden Fehler, die das Unternehmen macht stürzen werden. Große Medienmogule wie Murdoch sind von Google verärgert und werden sicher keine Panne verheimlichen. Ein Skandal um mißbräuchlich verwendete Daten wäre extrem schlecht für Google: Google verdient mit jedem Klick auf eine Werbeanzeige. Weniger Kunden für Google bedeuten direkt weniger Geld für das Unternehmen.

Stehe ich vor der Alternative, einen Email-Account bei Google oder aber bei einem kleinen Drittanbieter einzurichten, halte ich meine Daten bei Google sogar für deutlich besser aufgehoben. Je kleiner ein Unternehmen ist, desto größer ist die Gefahr, dass es bald von einem der großen Spieler aufgekauft wird. (Viele Start-Ups werden sogar mit dem Ziel gegründet irgendwann für ein paar Millionen aufgekauft zu werden) Wird aber mein Email-Anbieter gekauft, so sind meine Daten plötzlich bei einer dritten Partei, mit der ich vorher nichts zu tun hatte. Ein Risiko das ich minimieren kann, wenn ich mein Konto bei Google, als einer sehr großen und stabilen Firma führe.

Schlimmer noch: Wenn eine kleine Firma sich dazu entscheidet, meine Daten mißbräuchlich zu verwenden, risikiert sie wesentlich weniger als Google, da die Medien dem Skandal nicht im selben Maße Aufmerksamkeit schenken werden. Eine kleine Firma ist meiner Meinung nach deswegen wesentlich unsicherer als Google.

(Es gibt hier sicher noch einige Alternativen die man durchdenken kann, aber ich möchte den Post nicht allzulang werden lassen.)

Abschließende Worte

Ich denke, dass große Firmen (vielleicht sogar speziell große Computerfirmen, denn ein ähnliches Schicksal haben früher auch IBM und Microsoft erlitten) generell schnell das Ziel einer gewissen Art von Paranoia werden. Computerprogramme sind ein wenig wie (die Vorstellung von) Magie: Unheimlich komplex und potentiell sehr mächtig. Computerprogramme die gleichzeitig auf tausenden von Computern laufen und Petabytes an Daten verwalten um so mehr.

Menschen haben Angst vor komplexen und undurchsichtigen Dingen. Deswegen werden große Firmen selbst bei besten Intentionen (Ich bin fest überzeugt, dass sehr viele der Mitarbeiter Googles tatsächlich die Welt verbessern wollen) schnell Ziel einer modernen Form der Hexenjagd: Ohne sich tiefergehend mit der Materie zu beschäftigen werden sie als unheimliche, dunkle Krake dargestellt, die in tiefen Abgründen hockt und nur darauf wartet, alle Daten derer sie habhaft werden kann möglichst gewinnbringend zu verkaufen.

Montag, 3. August 2009

Son of a Witch & Der nächste Buchladen

I was happy with my marriage, and happier still when I was widowed, though happiness seems incidental to a good life. I never wanted to take the cane my father gave me, and I picked it up and broke his nose with it, and he laughed so hard he fell into the well.

Liir ist vielleicht der Sohn der Hexe Elphaba, der Wicked Witch of the West, vielleicht auch nur als Kleinkind in ihre Hände gelegt worden. Liir ist jung, weltfremd und unerfahren und doch entschließt er sich die Suche Elphabas nach Nor, der Tochter ihres Geliebten Fiyero, fortzusetzen. Ein hoffnungsloses Unterfangen (Nor selbst kommt im Buch nur weit am Horizont vor.), aber währenddessen entwickelt er sich vom naiven Bauersjungen über den gehorsamen Soldaten zu einem selbst-denkenden und auch selbst-zweifelnden Menschen, mit dem man einfach Sympathie haben muss.

Son of a Witch, der Nachfolgeroman zu Wicked setzt genau dort an, wo Wicked aufgehört hat und führt im selben Stil und mit den selben hoffnungsvollen und -losen Untertönen die Geschichte des Zauberlandes Oz fort. Etwas schwächer als Wicked und etwas gewohnter zwar, aber immer noch lesenswert, wenn man eine Märchengeschichte aus einer anderen Perspektive lesen will.

Das war also mein erstes Münchener Buch. Das zweite, Landschaft in Tee gemalt, liegt nun vor mir. Ich habe es in Dichtung & Wahrheit, einer kombinierten Wein- und Buchhandlung gefunden (und einem der schönsten Buchläden, die ich bis jetzt gesehen habe).

Freitag, 29. Mai 2009

Über die Bedeutung von Worten

Ein wichtige philosophische Frage ist es, wie Worte zu einer Bedeutung kommen bzw. was es überhaupt für ein Wort heißt, eine Bedeutung zu haben. Es gibt hier zwei Ansätze:

In den kausalen Bedeutungstheorien vertritt man die Ansicht, dass die Bedeutung von Worten über eine (ziemlich komplexe) kausale Bedeutungskette zustande kommt. Das bedeutet, dass jeder von uns über eine kausale Verknüpfungskette lernt, welche Bedeutung z.B. das Wort Buch hat. Also was der mit dem Wort verbunde Gegenstand in der wirklichen Welt ist. Ein großes Problem der kausalen Bedeutungstheorien ist, dass sie vorhersagen, dass es exakte Synonyme in verschiedenen Spachen gibt (mein Wort Buch und das italienische Libro beziehen sich auf denselben Gegenstand in der wirklichen Welt). Es gibt aber viele Worte, die in anderen Sprachen keine exakten Synonyme haben. Als Beispiele die schönen Worte morinha und teranga aus dem keltischen / afrikanischen Kulturkreis.

In der zweiten Theorie bedeuten Worte ersteinmal nichts. Sie sind aber verknüpft mit Ideen und diese wiederum bedeuten etwas im Sinne einer Merkmalskombination. Das Wort Buch ist also mit einer Buchidee verknüpft und ich habe eine Vorstellung in der Art von:

Ein Gegenstand ist ein Buch, genau dann wenn Eigenschaften A,B,C zu treffen.

Da wir über die Idee einen Mittelsmann zwischen die Sprache und die wirkliche Welt geschaltet haben, kann man nun sagen, dass es keine exakten Synonyme gibt, weil wir unterschiedliche Ideen mit den Worten bezeichnen. Zum Beispiel bezeichnet morhina eine 'Idee des sehnsüchtigen Heimwehs angesichts eines Lebens in einem fremden Land', die wir hier (meist) nicht haben und für die wir deswegen kein Wort besitzen. Genauso sind viele unserer Ideen, z.B. die Idee des Buchs zwar ähnlich zu Ideen anderer Menschen aber nicht identisch, weswegen sich viele Worte in der Bedeutung leicht unterscheiden.

Das Problem der zweiten Theorie ist, dass sie eine genau Klassifikation von Eigenschaften zu Ideen voraussetzt. Wir erkennen ein Buch indem wir überprüfen ob ein Gegenstand die Eigenschaften A,B,C aufweist. Gibt es wirklich einen so aufgebauten Ideenbegriff?

Beim maschinellen Lernen brauchen wir einen solch klaren Begriff nicht. Man mag von einer Support Vektor Maschine sagen, dass sie die Idee einer Spam-Nachricht hat. Zudem ist die Idee einer Spam-Nachricht bei unterschiedlicher SVMs auch leicht unterschiedlich (je nach verwendeter Trainingsmenge), was (wenn man dreisterweise den Menschen einen ähnlichen Prozess der Begriffsbildung unterstellt) die Theorie stützt. Eine SVM hat aber keine klare Liste von Eigenschaften mit einer genau dann wenn Beziehung in Bezug auf die Idee der Spam-Nachricht. Stattdessen gibt es eine mathematische, kontinuierliche Funktion, die einer Reihe von kontinuierlichen oder diskreten Features A,B,C eine Art Konfidenzwert zuordnet.

Die Idee einer Spam-Nachricht einer SVM ist also inherent fuzzy mit unklaren Übergängen zu Nicht-Spam-Nachrichten und schwer zu entscheidenen Randfällen. Trotzdem kann man sagen, dass es die Idee gibt und man kann vor allem auch sagen, wie sie zustandegekommen ist: Durch die Analyse einer Menge von Beispielen der Ideen Spam und Nicht-Spam. (Und es gibt gerade nicht die von Plato geforderte ideale Spam-Nachricht als Urbild aller Spam Nachrichten)

P.S:

Der amnesty Stand gestern ist übrigens gut gelaufen: 98 Unterschriften haben wir gesammelt.
(Und ich bekam ein paar mal die Gelegenheit das Wort 'verschwundengelassen' zu benutzen)

Donnerstag, 21. Mai 2009

Too much work to do...

It is no wonder, that grown Men either perplexed in the necessary affairs of Life, or hot in the pursuit of Pleasures, should not seriously sit down to examine their own Tenets; especially when one of their Principles is, That Principles ought not to be questioned.

Wahre Worte aus Lockes Mund. Leider komme ich im Moment nur wenig dazu, ihn aus Vergnügen (also nicht für mein Seminar) zu lesen. Zuviel Arbeit hält mich im Moment von den meisten Hobbies ab. Allein nächste Woche ein Vortrag für die Projektgruppe (eigentlich sogar zwei Vorträge) und ein Vortrag für das Seminar Handlungen. Außerdem noch die Ausarbeitung für mein Informatik Seminar (wo ich heute zum Glück große Fortschritte gemacht habe) und Vortrag und Ausarbeitung für User Centred Design.

Warum all der Aufwand? Weil ich im Juli wieder zum Praktikum nach Google gehe: Während die meisten Kommilitonen ihre Prüfungen dann haben werden, muss ich zusehen, dass ich das Semester schon vorher abschließe. Alle meine Veranstaltungen sind deswegen darauf ausgelegt, vorher abgeschlossen werden zu können.

Ich hoffe nur, dass es den Aufwand wert ist. Aber ich freue mich schon darauf, wieder in eine neue Umgebung zu kommen.

Freitag, 8. Mai 2009

Psychologisch-philosophisches Gerangel

Freitage sind im Moment bei mir ja völlig mit Philosophie belegt. Das Seminar Handlungen sticht dabei insoweit heraus, dass es ein philosophisch - psychologisches Forschungsseminar ist, also eine kooperation zweier Fachgebiete von denen ich einem garnicht und dem anderen nur halb angehöre.

Heute war die erste 'echte' Sitzung (nach der Einführung und Franz Mechsners Vortrag) der Gruppe: Und fast von der ersten Minute an entbrannte eine heftige und sehr spannende Diskussion um verschiedene philosophischen Aussagen im behandelten Text von Runggaldier und später auch um die psychologischen im Lehrbuchtext von Goschke

Was habe ich daraus mitgenommen?

Zum einen eine Anekdote von Prof. Scharlau: Es gibt verschiedene Motivationstendenzen in Menschen (bzw. es gibt eine Theorie, die sagt, dass es sowas gibt) unter anderem das Machtmotiv und das Leistungsmotiv. Beim Machtmotiv geht es darum, Macht über andere auszuüben, beim Leistungsmotiv darum, seine eigene Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.
Nun hat man US Präsidentschaftskandidaten auf diese Motive und damit verbundene Verhaltensweisen untersucht. Und siehe da: Präsidentschaftskandidaten, die eher von ihrem Leistungsmotiv getrieben wurden tendierten dazu, früher ihre Kandidatur aufzugeben, als Präsidentschaftskandidaten, die vom Machtmotiv gelenkt waren. (Das deckt meine eigenen Thesen, und ich habe vor dieses und einige andere Beobachtungen in einem späteren Eintrag nocheinmal auszubreiten)

Zum anderen: Philosophen sind seltsame Gesellen. Es war für sie schwer einzusehen, dass wir unsere Bewegungen auch mit mehr als fünf Sinnen beobachten ("Muss ich beobachten, dass mein Arm sich bewegt, wenn ich ihn bewege?" war der Ausgangspunkt für diese Diskussion) und noch schwerer, dass 'wir' Psychologen Geschehnisse eben nicht physikalistisch (also durch physikalische Gesetze) erklären. Auch das unsere Definitionen oft Arbeitsdefinitionen sind, ist für einen Philosophen neu: Dort wird normalerweise definiert, bevor räsoniert wird.

Der schönste Moment der Debatte war, als ich eine Erwiederung mit den Worten "Ich bin ja kein richtiger Psychologe" anfing und ich laut mit "Aber Sie sind ja einer von uns!" von der Psychologenseite unterstützt wurde.

Freitag, 1. Mai 2009

Locke in Oxford (Commonplace Books)

Von 1652 bis 1684 hatte Locke ein Studentship am Christ Church College in Oxford inne. Wenn man aber von Lockes Oxford Periode spricht, so meint man meist die Zeit von 1652 bis 1667, da er danach die meiste Zeit beim Graf von Shaftesbury in London verbrachte.

Ein Studentship an der Christ Church ist zu vergleichen mit einem sogenannten Fellowship an anderen Colleges: Eine Art Stipendium, verbunden mit einem Gehalt und gewissen Rechten und Pflichten. Der Unterschied zwischen den Studentships der Christ Church und den Fellowships anderer Colleges in Oxford war, dass erstere keinen Einfluss auf die Verwaltung von Christ Church hatten. Inhaber eines Studentship waren wiederum aufgeteilt in drei Gruppen: Scholares, Philosophi und Theologi mit jeweils wachsendem Einkommen und auch wachsenden Pflichten. Das erreichen der jeweils höheren Gruppe hing dabei allein vom Alter ab.

Locke wurde dabei, wie jährlich 5-6 andere Schüler von Westminster School, für ein Studentship ausgewählt. Bis 1667 verliefen seine Studien in normalen Bahnen: 1659 gehörte er zu den Philosophi. Als Philosophus ist er 1661/62 Dozent für Griechisch und 1663 Dozent für Rhetorik. Im Jahr 1664 ist er Zensor für moralische Philosophie, ein erster Hinweis auf seine späteren Interessen. 1665 wird er Theologi und wird 1666 durch eine köngliche Befreiung von vielen damit einhergehenden Pflichten befreit.

Lockes Interessen in dieser Zeit sind vor allem auf die Medizin (und zu geringerem Grade auf die Chemie) gerichtet. Er liest viel von Boyle zu Themen der experimentellen Philosophie, die später einmal zu den Naturwissenschaften werden soll. Boyle war auch sein wissenschaftlicher Mentor in seinen Studien.

Etwa um 1660 beginnt Locke auch Descartes zu lesen und hat so (auch wenn er eher an Descartes Gedanken zur experimentellen Philosophie interessiert ist) seinen ersten Kontakt mit Erkenntnistheorie im philosophischen Sinn. Descartes wird nach Boyle der zweite Mann, der ihn maßgeblich beeinflussen wird.

Locke ist einzigartig dadurch, dass er nicht über die Physik oder die Mathematik (wie Leibniz, Descartes) zur Philosophie kommt, sondern über die Medizin und die Chemie. Bis 1667 behandelten fast 50% der von ihm gelesenen Bücher Medizin und weitere 15% die Naturwissenschaften. Die Philosophie nimmt zu diesem Zeitpunkt erst knapp 5% seiner Bibliothek ein.

Es ist nun eine Randnotiz wert, darüber zu sprechen, wie heutige Historiker an derart genaues Wissen über Lockes Interessen kommen. Locke hatte die Angewohnheit (neben Briefen und Tagebüchern) sogenannte Commonplace Books zu führen. Ein Commonplace Book ist ein Buch in dem man interessante Argumente / Zitate / Gedichte / ... aus anderen Büchern, die man gerade liest, aufschreibt. Dies macht man normalerweise nach einem System, damit man seine Zitate auch wiederfindet. Für Historiker ist so ein Buch natürlich eine wertvolle Quelle (allgemein sind von Locke sehr viele Commonplace Books, Briefe und Journale erhalten geblieben) und, wie ich finde, ist es auch ein schöner Brauch, so ein Buch zu führen.

Dienstag, 21. April 2009

Locke IV: (keine) angeborenen moralischen Regeln / Kritik

Custom, a greater power than Nature, seldom failing to make them worship for Divine, what she hath inured them to bow their Minds, and submit their Understandings to, it is no wonder, that grown men, either perplexed in the necessary addairs of Life, or hot in the pursuit of pleasures, should not seriously sit down to examine their own tenets; Especially when one of their principles is, that principles ought not to be questioned.

Locke ist nicht nur der Meinung, dass es keine Angeborenen Sätze (oder Wahrheiten) gibt, sondern auch, dass es keine angeborenen praktischen Prinzipien gibt. Ein praktisches Prinzip kann man dabei am ehesten mit einer moralischen Regel gleichsetzen. Lockes Argument gegen angeborene praktische Prinzipien ist, dass es kein praktisches Prinzip gibt, das in allen Gesellschaften gleichermaßen befolgt wird.

Er demonstriert das am Beispiel der Regel Parents preserve and cherish your Children. Er nennt dann einige Kulturen von 'Wilden' (z.B. meint er, das in der Karibik Wilde ihre Kinder mästen und essen würden), sowie Praktiken der antiken Römer und Griechen. Abgesehen davon, dass sich hier schön die kulturelle Prägung des britischen Empire zeigt, muss ich Locke hier insofern wiedersprechen, als das ich bestimmt Verhaltensweisen durchaus für angeboren halte. Genauer, glaube ich nicht, dass es Kulturen gibt, in denen sich Eltern wirklich überhaupt nicht um ihre Kinder sorgen, da solche Kulturen keine große Chance haben fortzubestehen. Es mag sein, dass nicht alle Kinder gleich behandelt werden (z.B. mag man sich eine Kultur vorstellen, in der nur Erstgeborene wirklich umsorgt werden) und auch mögen sich die Ideen über das was gut für Kinder ist unterscheiden (z.B. mag es Kulturen geben, die ihre Kinder durch Prüfungen abhärten wollen), aber eine Kultur muss sich in irgendeiner Weise um die eigenen Kinder kümmern. Meiner Meinung nach ist dieses Verhalten zumindest teilweise evolutionär bedingt (man beobachtet es ja auch bei anderen Säugetieren) und Teil unserer angeborenen Verhaltensweisen.

Ich gebe Locke aber in der Hinsicht recht, dass die meisten ethischen Regeln nicht angeboren sind, sondern durch den Einsatz des Verstandes, ausgehend von Grundannahmen, gefolgert werden müssen, oder aber alternativ auf Grundlage von Gewohnheit und Glauben angenommen werden. Deswegen finde ich auch den oben zitierten Satz so schön: Er drückt aus, dass es den meisten Menschen nicht um den Gebrauch ihres Verstandes geht, sondern dass sie sich mehr oder weniger blind ihren Gewohnheiten ergeben.

Freitag, 17. April 2009

Locke III: Drei Argumente gegen angeborene Ideen

Die ersten Kapitel des Essays sind gelesen und ich möchte die Gelegenheit nutzen, Lockes Argumente gegen angeborene Ideen vorzustellen. Locke nimmt dabei die Argumente der Befürworter angeborener Ideen und wiederlegt sie.


1. Argument: Es gibt Wahrheiten, die alle Menschen kennen, dies sind angeborene Ideen.

Lockes Antwort:
Es gibt kein gemeinsames Wissen, das von allen Menschen geteilt wird. Selbst wenn man eine so offensichtliche Wahrheit wie

"Es ist unmöglich, dass ein Ding ist und gleichzeitig nicht ist"

betrachtet, so stellt man fest, dass es viele Menschen gibt, die diese Aussage nicht kennen. Insbesondere kleine Kinder würden der Aussage nicht ohne weiteres zustimmen, da sie mit derart allgemeinen Aussagen nicht vertraut sind. (Die Erfahrungswelt der Kinder erstreckt sich nur auf konkrete Dinge und die Verallgemeinerung zum Ding an sich ist noch bedeutungslos)


2. Argument: Es gibt Aussagen, die von allen Menschen anerkannt werden, sobald sie ihren Verstand benutzen können. Diese Aussagen sind angeboren.

Lockes Antwort:
Dieses Argument versucht Lockes Gegenargument zum 1. Argument zu umgehen, da Kinder noch nicht unbedingt ihren Verstand benutzen können. Es ist allerdings unscharf formuliert.

1. Fall
Gemeint ist: Es gibt Aussagen, die von allen Menschen durch Benutzung ihres Verstandes erkannt werden. Diese Aussagen sind angeboren.

Dann gilt aber, das alle Aussagen, die allein durch Benutzung unseres Verstandes entdeckt werden können, angeboren sind. (Unter anderem sind dann sämtliche mathematische Theoreme angeboren)
Dies ist aber ein Wiederspruch: Der Verstand ist gerade ein Werkzeug des Geistes um unbekanntes aus bekanntem abzuleiten. Es kann nicht angeboren sein, was durch den Verstand entdeckt werden muss.

2. Fall
Gemeint ist:
Es gibt Aussagen, die von allen Menschen zu dem Zeitpunkt erkannt werden, zu dem sie ihren Verstand erlangen. Diese Aussagen sind angeboren.

Allerdings ist auch diese Interpretation falsch, da zum einen der spezifische Zeitpunkt an dem eine Aussage erkannt wird keinerlei Begründung dafür ist, dass diese angeboren ist (zumal die Benutzung des Verstandes nichts mit der Angeborenheit der Aussage zu tun haben kann) und zum anderen gerade allgemeine Aussagen wie

"Es ist unmöglich, dass ein Ding ist und gleichzeitig nicht ist"

oft deutlich nach dem Entstehen des Verstandes von Menschen erkannt werden. (Nämlich dann, wenn sie genügend Erfahrung gesammelt haben um solch allgemeine Aussagen zu verstehen).


3. Argument: Es gibt Aussagen, die von allen Menschen anerkannt werden, sobald sie die Begriffe in den Aussagen verstehen und sie die Aussage hören. Diese Aussagen sind angeboren.

Lockes Antwort:
Locke gibt hier mehrere Gegenargumente an, von denen ich das wiedergebe, welches ich am schönsten fand, da es stark einem Wiederspruchsbeweis ähnelt.

Nimmt man an dass das Argument korrekt ist, so ist das Wissen über alle Aussagen der Form

"Idee A ist nicht Idee B."

angeboren, da sie selbstverständlich sind.
Das bedeutet aber auch, dass die Ideen A,B angeboren seien müssen (ohne Wissen über die Ideen ist die Aussage gegenstandslos) und damit alle Ideen angeboren sind.
Gerade Ideen wie z.B. über Farbe und Form sind jedoch gerade nicht angeboren sondern werden durch die Sinne erfahren. Wir haben also einen Wiederspruch.

Mittwoch, 15. April 2009

Viele Kleinigkeiten

Das Semester hat begonnen und neben den ersten Vorlesungen fordert auch die Projektgruppe wieder eine ganze Menge Arbeit. Ich bin gestern also nicht dazu gekommen Locke tatsächlich anzufangen und habe auch heute nur das Vorwort -The Epistel to the Reader- gelesen. Diese bietet zwar keine neuen philosophischen Ideen, ist dafür aber in einem herrlichen alt-englischen Stil geschrieben: Locke erläutert den Ursprung des Essays und entschuldigt sich in bester britischer Art für alle möglicherweise vorhandenen Fehler im Text (z.B. dafür, dass Dinge fehlen, oder das der Text zu ausführlich ist, ...).

Daneben habe ich heute morgen mit der Wohnungssuche in München begonnen und auf diversen Seiten nach Angeboten gesucht und welche aufgebeben: München ist ein teures Pflaster und ich erwarte eine Miete von etwa 500 Euro im Monat für ein kleines Zimmer. Aber es ist ja nur für drei Monate und ich verdiene ja auch etwas.

Für einige Leser wird auch von Interesse sein, dass ich von Dirk ein Buch über die Programmiersprache Scala bekommen habe, das nun ebenfalls auf meiner Leseliste steht. (Das Lernen von Scala wird nach dem Abschluss des Stanford Machine Learning Kurses mein nächstes größeres 'privates' Informatikprojekt werden) Ich hatte schonmal die pdf Version des Buches und kann nur wiederholen, dass Scala als High-Level Sprache einen sehr guten Eindruck macht. Unter anderem die nahtlose Integration von Javabibliotheken und die Kombination von objektorientierter mit funktionaler Programmierung interessieren mich. Allerdings soll die Performance von Scala etwa der von Java entsprechen, also im Vergleich zu C/C++ eher schlecht sein. (Kein Wunder, wenn die Java Bibliotheken über Scala mitbenutzt werden können)

Montag, 13. April 2009

Locke II: Hintergrund

Wenn man jemanden verstehen will ist es oft gut, seinen Kontext und seinen geschichtlichen Hintergrund zu verstehen. Man erkennt dann besser, welche Ideen für seine Zeit neu waren und welche bereits (vielleicht fälschlicherweise) allgemeint anerkannt waren. Ich werde also in Zukunft hier meine Beiträge zu Lockes Philosophie mit einigen Beiträgen über seinen Hintergrund und Kontext mischen.

Locke wurde 1632 geboren, von 1652 bis zu seinem Ausschluß 1675 war er Student im Christ Church College in Oxford (mehr dazu in einem späteren Blogeintrag). Er studierte dort vor allem Medizin.

Wichtig für seine Philosophie war seine Bekanntschaft mit Shaftesbury, den er wegen einer Lebererkrankung behandelte und dessen persönlicher Assistent er wurde. Von 1667 bis 1675 lebte er fast ausschließlich bei Shaftesbury. Hier liegt wohl auch der Ursprung seiner Ansichten: Zusammen mit Shaftesbury trat er für die religöse Toleration ein. Die Ziele waren allerdings deutlich moderater als das, was wir uns unter dem Begriff vorstellen würden:

Es gibt Dinge, bei denen es ein absolutes Recht auf Toleration gibt. Dies sind Dinge die bloß spekulativ sind und nicht das Leben der eigenen Nachbarn beeinträchtigen oder den Staat gefährden.

Hier sieht man schon, warum er im Essay später so stark gegen den Begriff der angeborenen Ideen vorgehen wird: Angeborene Ideen stehen im Wiederspruch zu spekulativen Dingen.

Der Ursprung für das Essay selbst liegt in einem Treffen 1671, in dem religiöse und moralische Themen diskutiert wurden. In den eigentlichen Themen war kein Vorankommen zu erzielen und Locke gelangte zur Überzeugung, dass derartige Überlegungen auf die grundlage einer ausgearbeiteten Erkenntnistheorie gestellt werden sollten. Erste Entwürfe des Essays gibt es deswegen auch schon aus dieser Zeit.

1683 entschied sich Locke aufgrund politischer Wirrungen nach Holland auszuwandern. In diesem, damals sehr liberalen, Staat wurde das Essay schließlich fertiggestellt (Es wurde aber erst nach seiner Rückkehr nach England veröffentlicht).

Sonntag, 12. April 2009

Philosophie: Locke (I)

Ich habe mich in den letzten Tagen mehr oder minder intensiv mit Sekundärliteratur zum Philosophen Locke beschäftigt. (Warum Locke? Laut eines Facebook Quizzes ist er der Philosoph, der meinen Vorstellungen am nächsten kommt)

Ich denke ich bin nun im großen und ganzen bereit, mir sein Hauptwerk An Essay Concerning Human Understanding selbst vorzunehmen. Hier möchte ich mich mit dem was ich gelesen habe und dem was ich lesen werde auseinandersetzen und dazu meine eigenen Gedanken entwickeln.

Locke beschäftigt sich im Essay mit der Erkenntnistheorie, also Fragen wie "Welche Erkenntnisse sind sicher oder wahr?", "Inwieweit kann ich meinem Weltbild vertrauen?".

Locke geht dabei davon aus, dass es keine angeborenen Ideen gibt. Der Mensch ist also zur Geburt eine Tabula Rasa (daraus folgt, dass Meinungen, die als Begründung angeborene, selbstverständliche, Ideen heranziehen keine Grundlage haben). Der Mensch besitzt allerdings sehr wohl angeborene Fähigkeiten um mit Ideen umzugehen. Er kann z.B. Ideen kombinieren und miteinander in Verbindung setzen.

Locke unterscheidet demzufolge in zwei Arten von Ideen: einfache Ideen und komplexe Ideen, wobei komplexe Ideen aus einfachen Ideen hervorgehen, indem wir mittels unserer Fähigkeiten darauf operieren. Einfache Ideen erlangen wir primär durch Sinneseindrücke (oder alternativ durch das innere Beobachten unserer geistigen Operationen) denen wir durchaus Glauben schenken sollten.

Soweit die Sekundärliteratur. In den nächsten Monaten werde mich dann mit dem Essay selbst beschäftigen.

Zu meinen eigenen Gedanken bis jetzt (diese werden sich vermutlich im Prozess des Lesens noch in großen Teilen ändern):

Ich habe mal versucht die Grundlagen meiner eigenen Überzeugungen aufzustellen. Im Kern liegt dabei die Aussage:

Nehme an, dass Du nicht verrückt bist.

Ich denke, diese Aussage drückt sehr gut aus, dass man im Prinzip seinen eigenen Sinneswahrnehmungen Vertrauen schenken sollte (Es sei denn man hat gute Gründe es nicht zu tun) und genauso im Prinzip seiner eigenen Fähigkeit Konzepte logisch zu entwickeln Vertrauen schenken sollte (Wiedererum kann es gut begründetete Ausnahmen geben). Die Aussage richtet sich vor allem gegen Schmetterlingsfragen:

Bin ich Tschuang Tschou, dem träumte, ein Schmetterling zu sein, oder bin ich ein Schmetterling, dem träumte, Tschuang Tschou zu sein.

Ohne gute Gründe für das Gegenteil sollten wir also immer davon ausgehen, Tschuang Tschou zu sein.

Davon ausgehend muss man nun die Philosophie von der Psychologie absetzen und ich denke dort ist der klarste Schnitt, wenn man die Philosophie zu einer reinen Geisteswissenschaft, wie die Mathematik erklärt. Also:

Ist ein Experiment denkbar, mit dem man eine Aussage empirisch nachprüfen kann, so ist es keine philosophische Aussage.

(da aus der ersten Aussage folgt, dass wir dem empirischen Prozess im Grunde vertrauen sollten. Natürlich ist es über empirische Prozesse nur möglich, Wahrscheinlichkeiten herauszufinden, keine festen Wahrheiten)

Kommen wir zu Locke zurück. Wir können uns das Bewusstsein als umgeben von einem dicken Ring an verschiedenen äußeren Gegebenheiten vorstellen. Eindrücke von der äußeren Welt werden über Sinne aufgenommen, durch verschiedene unterbewusste Prozesse (hier würden auch soziokulturell erlernte Prozesse liegen, denen wir uns nicht bewusst sind) modifiziert und schließlich dem Bewusstsein als ein "Datenpunkt" präsentiert. Diese Datenpunkte korrespondieren mehr oder weniger zu den einfachen Ideen, die unbewusste Schale mehr oder weniger zu den (teilweise angeborenen) Fähigkeiten. In dieser Hinsicht kann man also zu Beginn des Lebens tatsächlich von einer Tabula Rasa sprechen. Zudem sind empirische Aussagen über das Gehirn immer nur Aussagen über die Schale, niemals über das Bewusstsein.

Eine Hauptaufgabe des Bewusstseins ist es nun, anhand dieser Datenpunkte zu entscheiden, welche Datenpunkte es annimmt und welche es als falsch zurückweist. Dazu ist es sinnvoll einzelne Punkte zusammenzufassen und so komplexe Konzepte zu bilden.

Dies setzt natürlich die Existenz eines freien Willens im Bewusstsein voraus. Man könnte sich theoretisch auch einen Geist vorstellen, der nur aus unbewusster Schale besteht und quasi automatisch zu seinen Entscheidungen kommt. Ein Zombie im philosophischen Sinn.
Nimmt man allerdings nun die Nichtexistenz des freien Willens an, so verliert die gesamte Philosophie (und alles andere) jegliche Bedeutung: Wir sind vorherbestimmte Automaten in einer vorherbestimmten Welt.

Deswegen kann man als philosophierender Mensch nur annehmen:

Es macht fundamental keinen Sinn, am eigenen freien Willen zu zweifeln.

Und da es keinen guten Grund gibt anzunehmen, dass man sich selbst fundamental von anderen Menschen unterscheidet, sollte man auch diesen ihren freien Willen gönnen.