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Montag, 11. Januar 2010

Scamming the Scammers?

Eine weitverbreitete Form des Internet-Scams ist der sogenannter 419 Scam, bei dem (oft afrikanische) Betrüger versuchen, gutgläubigen Bürgern durch das Versprechen zukünftigen Reichtums viel Geld aus der Tasche zu ziehen.

Eine Gemeinschaft von selbsternannten Wächtern des Rechts hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Betrüger zu bekämpfen indem sie die Scammer ihrerseits an der Nase herumführen und ihnen möglichst viele Stöcke und Steine in den Weg zu legen.

Eine gute Idee?

Auf den ersten Blick ja: Recht kann im Internet oft nicht durchgesetzt werden, weil die Strukturen der Rechtswahrung der einzelnen Nationalstaaten oft völlig ungeeignet sind um gegen Rechtsverstöße, die über das Internet aus anderen Ländern begangen werden, vorzugehen. Und was kann es schaden, wenn eindeutige Betrüger auf amüsante Weise dazu gebracht werden, dem Opfer selbst Geld zu bezahlen oder ihm Photos zu schicken?

Und dann kommt eine Geschichte wie diese:

Follow along in the journey of two pathetic 419 scammers into one of the most violent and desolate places on earth, the Chad/Sudan border, where hundreds of thousands of Sudanese refugees have fled to avoid being killed by Sudanese guerillas.

Man beachte auch das die letzte Mail unseres erfolgreichen Helden:

Hi there Kuku,

How's Antarctica? Remember before when I told you that you were famous? Here's the website that made it all happen.
http://www.419eater.com/html/RoadToChadDarfur

Look, I know that you are probably still a little upset over what happened, but I was wondering if you could do me a HUGE favour. Could you send me your photograph? I never did get one of you and it would help me complete the website. As an extra insentive, I will put in a good word for you with your family, telling them that it is not your fault that Oney is either dead or someone's prison fuck-toy.

Thanks in advance for your cooperation.

Blessings,

Rev. Kuhm Belcher

Und nun fragt man sich: Geht es hier wirklich darum, die Unschuldigen zu beschützen und Betrüger zu nerven? Oder geht es darum eine Entschuldigung dafür zu finden, mit Menschen zu spielen wie mit Puppen und ihnen dadurch jegliches Mensch-sein abzusprechen?

Sonntag, 6. Dezember 2009

Datenkrake Google?

Nach langer Zeit habe ich mich entschlossen, wieder einen Artikel hier einzustellen.

In den letzten Wochen und Monaten und eigentlich auch schon seit längerem bekomme ich verstärkt den Eindruck, das Google von vielen meiner Kommilitonen vor allem als eine Datenkrake angesehen wird. Teilweise wurde ich nach meinem Praktikum sogar als gehirngewaschen bezeichnet (eine sehr einfache Position: Egal was ich sage. Der Grund ist die Gehirnwäsche. Allerdings übersehen diejenigen, dass ich bereits vor meinem Praktikum von Google überzeugt war).

Ich möchte hier deswegen (und weil viele auch aus Höflichkeit dieses Thema nicht direkt ansprechen wollen) versuchen, ein kohärentes Argument zu formulieren, warum ich diese Bedenken nicht teile. Ich würde mich freuen, wenn in den Kommentaren eine Diskussion über das Thema zustande kommt.

Kümmert sich Google nicht um Privacy?

Google ist immer noch eine junge Firma. Privacy wurde, gerade in den ersten Jahren, noch nicht als ein Kernthema angesehen. Man hatte eine Suchmaschine, dann kam ein Email-Dienst hinzu und schrittweise folgten mehr und mehr Dienste und Services. Privacy war zu diesen Zeiten noch kein großes Thema und wurde in diesem Durcheinander schlichtweg übersehen.

Dies ändert sich zur Zeit. Google hat hier eine Übersichtsseite eingerichtet, auf der sich jeder informieren kann, welche Informationen Google genau über ihn speichert. Außerdem können dort die Datenschutzbestimmungen aller benutzten Services eingesehen werden. Google erklärt außerdem in seinen Datenschutzbestimmungen hier genau, zu welchem Zweck Daten gesammelt werden. Im Hinweis für GoogleMail steht z.B.

Die Computer von Google werten die Informationen in Ihren Nachrichten aus verschiedenen Gründen aus, unter anderem zur Formatierung und Darstellung der Informationen für Sie, zur Schaltung von Anzeigen und verwandten Links, zur Vermeidung von unerwünschten Massen-E-Mails (Spam), zur Sicherung Ihrer Nachrichten und zu anderen Zwecken im Zusammenhang mit dem Angebot von Google Mail.

Man beachte dabei, dass hier von einer Auswertung von Computer gesprochen wird. Menschen schauen sich die Mails ohne weiteres garnicht an.

Auf die Auswertung durch Computer zu verzichten ist illusorisch: Googles Geschäftsmodell ist es, Geld mit dem Schalten von kontextueller Werbung zu verdienen. Der Kontext kann aber nur bestimmt werden, wenn eine Mail ausgewertet werden darf. Auch die Spambekämpfung kann nur effektiv durchgeführt werden, wenn Emails ausgewertet werden dürfen.

Desweiteren wird (selbstverständlich) auch der Verkauf von Daten an Dritte ausgeschlossen:

Auf keinen Fall verkaufen oder vermieten wir Ihre persönlichen Daten oder geben sie auf andere Art an Dritte weiter, außer in den wenigen in den Google-Datenschutzbestimmungen beschriebenen Fällen, wenn wir z. B. glauben, dass dies aus gesetzlichen Gründen erforderlich ist.

Fehler in Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen werden behandelt, wie technische Fehler auch und möglichst schnell behoben. Es ist im Leben allgemein meistens ratsamer Dinge, die durch Fehler erklärt werden können, nicht allzuschnell als Bosheit einzustufen.

Die üblichen Anmerkungen zu diesen Argumenten sind vor allem, dass man ja nicht wissen könne ob Google sich tatsächlich an diese Bestimmungen hält. Dies führt uns zu meinem zweiten Punkt.

Welche Motivation hat Google eigentlich, meine Daten auszunutzen?

Google ist umgeben von einem Schwarm an Medien, die sich auf jeden Fehler, die das Unternehmen macht stürzen werden. Große Medienmogule wie Murdoch sind von Google verärgert und werden sicher keine Panne verheimlichen. Ein Skandal um mißbräuchlich verwendete Daten wäre extrem schlecht für Google: Google verdient mit jedem Klick auf eine Werbeanzeige. Weniger Kunden für Google bedeuten direkt weniger Geld für das Unternehmen.

Stehe ich vor der Alternative, einen Email-Account bei Google oder aber bei einem kleinen Drittanbieter einzurichten, halte ich meine Daten bei Google sogar für deutlich besser aufgehoben. Je kleiner ein Unternehmen ist, desto größer ist die Gefahr, dass es bald von einem der großen Spieler aufgekauft wird. (Viele Start-Ups werden sogar mit dem Ziel gegründet irgendwann für ein paar Millionen aufgekauft zu werden) Wird aber mein Email-Anbieter gekauft, so sind meine Daten plötzlich bei einer dritten Partei, mit der ich vorher nichts zu tun hatte. Ein Risiko das ich minimieren kann, wenn ich mein Konto bei Google, als einer sehr großen und stabilen Firma führe.

Schlimmer noch: Wenn eine kleine Firma sich dazu entscheidet, meine Daten mißbräuchlich zu verwenden, risikiert sie wesentlich weniger als Google, da die Medien dem Skandal nicht im selben Maße Aufmerksamkeit schenken werden. Eine kleine Firma ist meiner Meinung nach deswegen wesentlich unsicherer als Google.

(Es gibt hier sicher noch einige Alternativen die man durchdenken kann, aber ich möchte den Post nicht allzulang werden lassen.)

Abschließende Worte

Ich denke, dass große Firmen (vielleicht sogar speziell große Computerfirmen, denn ein ähnliches Schicksal haben früher auch IBM und Microsoft erlitten) generell schnell das Ziel einer gewissen Art von Paranoia werden. Computerprogramme sind ein wenig wie (die Vorstellung von) Magie: Unheimlich komplex und potentiell sehr mächtig. Computerprogramme die gleichzeitig auf tausenden von Computern laufen und Petabytes an Daten verwalten um so mehr.

Menschen haben Angst vor komplexen und undurchsichtigen Dingen. Deswegen werden große Firmen selbst bei besten Intentionen (Ich bin fest überzeugt, dass sehr viele der Mitarbeiter Googles tatsächlich die Welt verbessern wollen) schnell Ziel einer modernen Form der Hexenjagd: Ohne sich tiefergehend mit der Materie zu beschäftigen werden sie als unheimliche, dunkle Krake dargestellt, die in tiefen Abgründen hockt und nur darauf wartet, alle Daten derer sie habhaft werden kann möglichst gewinnbringend zu verkaufen.

Donnerstag, 21. Mai 2009

Too much work to do...

It is no wonder, that grown Men either perplexed in the necessary affairs of Life, or hot in the pursuit of Pleasures, should not seriously sit down to examine their own Tenets; especially when one of their Principles is, That Principles ought not to be questioned.

Wahre Worte aus Lockes Mund. Leider komme ich im Moment nur wenig dazu, ihn aus Vergnügen (also nicht für mein Seminar) zu lesen. Zuviel Arbeit hält mich im Moment von den meisten Hobbies ab. Allein nächste Woche ein Vortrag für die Projektgruppe (eigentlich sogar zwei Vorträge) und ein Vortrag für das Seminar Handlungen. Außerdem noch die Ausarbeitung für mein Informatik Seminar (wo ich heute zum Glück große Fortschritte gemacht habe) und Vortrag und Ausarbeitung für User Centred Design.

Warum all der Aufwand? Weil ich im Juli wieder zum Praktikum nach Google gehe: Während die meisten Kommilitonen ihre Prüfungen dann haben werden, muss ich zusehen, dass ich das Semester schon vorher abschließe. Alle meine Veranstaltungen sind deswegen darauf ausgelegt, vorher abgeschlossen werden zu können.

Ich hoffe nur, dass es den Aufwand wert ist. Aber ich freue mich schon darauf, wieder in eine neue Umgebung zu kommen.

Freitag, 8. Mai 2009

Psychologisch-philosophisches Gerangel

Freitage sind im Moment bei mir ja völlig mit Philosophie belegt. Das Seminar Handlungen sticht dabei insoweit heraus, dass es ein philosophisch - psychologisches Forschungsseminar ist, also eine kooperation zweier Fachgebiete von denen ich einem garnicht und dem anderen nur halb angehöre.

Heute war die erste 'echte' Sitzung (nach der Einführung und Franz Mechsners Vortrag) der Gruppe: Und fast von der ersten Minute an entbrannte eine heftige und sehr spannende Diskussion um verschiedene philosophischen Aussagen im behandelten Text von Runggaldier und später auch um die psychologischen im Lehrbuchtext von Goschke

Was habe ich daraus mitgenommen?

Zum einen eine Anekdote von Prof. Scharlau: Es gibt verschiedene Motivationstendenzen in Menschen (bzw. es gibt eine Theorie, die sagt, dass es sowas gibt) unter anderem das Machtmotiv und das Leistungsmotiv. Beim Machtmotiv geht es darum, Macht über andere auszuüben, beim Leistungsmotiv darum, seine eigene Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.
Nun hat man US Präsidentschaftskandidaten auf diese Motive und damit verbundene Verhaltensweisen untersucht. Und siehe da: Präsidentschaftskandidaten, die eher von ihrem Leistungsmotiv getrieben wurden tendierten dazu, früher ihre Kandidatur aufzugeben, als Präsidentschaftskandidaten, die vom Machtmotiv gelenkt waren. (Das deckt meine eigenen Thesen, und ich habe vor dieses und einige andere Beobachtungen in einem späteren Eintrag nocheinmal auszubreiten)

Zum anderen: Philosophen sind seltsame Gesellen. Es war für sie schwer einzusehen, dass wir unsere Bewegungen auch mit mehr als fünf Sinnen beobachten ("Muss ich beobachten, dass mein Arm sich bewegt, wenn ich ihn bewege?" war der Ausgangspunkt für diese Diskussion) und noch schwerer, dass 'wir' Psychologen Geschehnisse eben nicht physikalistisch (also durch physikalische Gesetze) erklären. Auch das unsere Definitionen oft Arbeitsdefinitionen sind, ist für einen Philosophen neu: Dort wird normalerweise definiert, bevor räsoniert wird.

Der schönste Moment der Debatte war, als ich eine Erwiederung mit den Worten "Ich bin ja kein richtiger Psychologe" anfing und ich laut mit "Aber Sie sind ja einer von uns!" von der Psychologenseite unterstützt wurde.