Mittwoch, 18. März 2009

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

Doof it yourself (Link geht auf einen sehr lesenswerten Spiegelartikel) drückt die heutige Zeit gut aus. Es geht nicht mehr darum, was man weiß, wofür man sich interessiert und was die eigenen Überzeugungen sind. Es geht darum, wie man vor anderen gut dasteht.

Und dafür ist den meisten Menschen fast jedes Mittel recht. Und es stört anscheinend keinen. Im Gegensatz: Ein Mensch, der konsequent nur an sich selbst denkt und mit allen Mitteln versucht möglichst viel Macht und Einfluss an sich zu reißen wird nur selten verachtet.

Schwächere Menschen fürchten sich vor ihm... und doch bewundern sie ihn auch, weil er anscheinend für klare Prinzipien und einfache Lösungen steht. Oft wird selbstherrliche Brutalität im weißen Mantel mit Gerechtigkeit verwechselt. Stärkere aber gutmütige Menschen sehen oft ein hilfloses Kind und versuchen die tieferen Gründe hinter dem Egoismus zu sehen. Sie beginnen zu helfen und merken zu spät, dass ihnen der Dolch in den Rücken gestoßen wird.

Ein anderer Zeitungsartikel spricht von der Überbewertung von Selbstbewusstsein in der Schule. Es geht nicht nur um die Schule: Unsere gesamte Gesellschaft ist inzwischen derart auf Selbstbewusstsein und das Ich im Gegensatz zum Gemeinwohl fixiert. Auf unzähligen Seminaren und Lehrgängen wird uns beigebracht, wie wir möglichste eloquent Reden halten, wie wir Texte so schreiben, dass sie mehr Menschen beeinflussen, wie wir Webseiten gestalten, so dass nicht die tatsächliche, sondern die gefühlte Qualität der verkauften Produkte entscheidend ist. Es geht vor allem darum sich zu profilieren.

Es gibt immer weniger Menschen die wirklich etwas bewirken wollen. Und das ist irgendwo schade.

Dienstag, 17. März 2009

Kneipenlesung

Sonntag war wieder Kneipenlesung im Cafe Central. In angenehm rauchfreier Atmossphäre lieferten sich das Vorleserteam um Rampenreh Achim einen Wettstreit mit dem Kneipentelefon und der immerlauten Expresso-Maschine.

Bis auf die Beiträge eines Vorlesers (der es sogar geschafft a Martin Luther Kings Rede I have a dream schlecht zu machen - man wage garnicht darüber nachzudenken was geschehen wäre, hätte Martin Luther King diese Rede so vorgetragen) war es aber trotzdem ein angenehmer Abend. Besonders gefallen hat mit der Ausschnitt aus Was geschah mit der Pygmac-Expedition?, der herrlich exzentrisch war. Auch gut waren viel der Beiträge von www.kolumnen.de (unter anderem Auf Dauer werde der Mensch ohne Körper existieren und als reine Software unsterblich), die von Senny vorgetragen wurden.

Sonntag, 8. März 2009

Watchmen

Heard a joke once: Man goes to doctor. Says he's depressed. Says life seems harsh and cruel. Says he feels all alone in a threatening world where what lies ahead is vague and uncertain. Doctor says "Treatment is simple. Great clown Pagliacci is in town tonight. Go and see him. That should pick you up." Man bursts into tears. Says "But, doctor...I am Pagliacci." Good joke. Everybody laugh. Roll on snare drum. Curtains.

Willkommen im Amerika des Jahres 1985. Der Vietnam Krieg wurde dank des Eingreifens von Dr. Manhattan, einem Superhelden, gewonnen... ...und die Welt steht kurz vor einem Atomkrieg.

Maskierte Superhelden, Watchmen, waren bis vor kurzem allgegenwärtig. Nur: Bis auf Dr. Manhattan sind diese Superhelden gewöhnliche Menschen. Keine Superkräfte. Keine höhere Moral als die Menschen um sie herum (Und der einzige Held, der die wirklich klassische Superheldenmoral verkörpert bleibt langweilig und schwach). Und seid kurzem sind sie außerdem verboten.

Das ist die Welt in der Watchmen spielt. Eine dunkle Welt, voller Abgründe und böser Wahrheit. Und Schauplatz eines teuflischen Plans eines unverbesserlichen Gutmenschen. Ich habe selten einen Film gesehen, der so überzeugend Atmosphäre erzeugt und so tiefe, zerbrochene und geflickte Charaktere hat. Die Geschichte ist voller Wendungen, bei der die klassische schwarz-weiße Superheldenwelt bis ins Detail zerlegt wird. Das Ende überascht und ist doch logisch und einleuchtend. Selten habe ich einen Film gesehen, der mich so intensiv beschäftigt hat.

Dienstag, 3. März 2009

Der Robot Swarm Simulator

Jetzt ist er endlich fertig: Der Roboterschwarmsimulator meiner Projektgruppe wurde gestern erfolgreich unseren Betreuern übergeben.

Die meisten hier dürften die genauen technischen Spezifikationen nicht sonderlich interessieren. Im Prinzip geht es beim RSS darum, auf einem Roboterschwarm bestimmte Algorithmen auszuführen, damit die Roboter z.B. zusammenfinden oder sich in kleine Teams aufteilen.

Ein kurzes Video des Simulators gibt es hier:

Youtube Video

Freitag, 20. Februar 2009

Der Geschmack von Apfelkernen

Ich stand am Gartenzaun und tastete nach meiner Stirn. Ich musste an andere Wunden denken. Jahrelang hatte ich mich geweigert, das zu tun. Die Wunden kamen frei Haus, die hatte ich mitgeerbt. Und ich musste sie mir wenigstens einmal ansehen, bevor ich wieder das Pflaster der Zeit draufkleben durfte.


Bootshaven. Ein kleiner Ort irgendwo in Niedersachsen und die Heimat von Iris Familie. Bootshaven. Der Ort an dem Iris Großmutter Bertha nachdem sie lange an Alzheimer gelitten hat stirbt, und Iris ihr Haus vermacht. Bootshaven. Der Ort an dem Iris Mutter mit ihren Schwestern Harriet und Inga aufwächst, wo Inga eine Affäre mit dem Tankwart Peter Klaasen hat und Harriett ihre uneheliche Tochter gebärt. Bootshaven. Der Ort an dem Bertha und ihre Schwester Anna aufwachsen und eine Dreiecksbeziehung zu ihrem Lehrer Lexow haben, der vielleicht Ingas Vater ist. Bootshaven. Der Ort an dem Iris all diese Geschichten entdeckt und auch die Wunden in ihrer eigenen Vergangenheit wieder aufreißt.

Der Geschmack von Apfelkernen erzählt viele Geschichten. Eingewickelt in eine etwas kitschige Liebesgeschichte zwischen der Erbin Iris und Max, dem kleinen Bruder einer früheren Freundin, erfahren wir die Geschichten der Familie von Iris über drei Generationen hinweg: Von den Großeltern Bertha und Hinnerk über die Generation der Eltern, geprägt durch die drei Geschwister Christa, Inga und Harriett bis hin zu Iris eigener Generation und ihrer Kindheit.

Der Geschmack von Apfelkernen wechselt oft die Zeit: Es wird stets in der Gegenwart erzählt, egal welche Geschichte in welcher Generation gerade an der Reihe ist. Aber man gewöhnt sich daran und das Buch ist deswegen keineswegs sehr kompliziert zu lesen.

Am Ende wäre ich gerne mal bei diesem Haus in Bootshaven gewesen und wäre dort durch die Räume gelaufen um die Geschichte in mir aufzunehmen.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Morgensonne über Paderborn

Ich habe (seit Mitte Januar) die letzten Tage über jeden Morgen ein Bild aus meiner Wohnung geschossen. Die ersten 26 könnt ihr hier bewundern.

Dienstag, 3. Februar 2009

Der seltsame Fall des Benjamin Button

Ein Junge wird am Ende des 2. Weltkrieg in New Orleans geboren. Allem Anschein nach als alter Mann. Und wären die anderen um ihn herum altern, wird er mit jedem verstreichenden Jahr jünger.

Der seltsame Fall des Benjamin Button erzählt diese Geschichte aus der Perspektive der langjährigen Geliebten Benjamins. (Interessanterweise liegt diese gerade auf ihrem Sterbebett in einem Krankenhaus, während sich Katrina New Orleans nähert).

Von Ihrem ersten kennenlernen (sie ist ein kleines Mädchen und er ein "alter Mann") an, über die Postkarten Benjamins während seiner Zeit als Matrose auf einem Schlepper bis hin zu ihrem wiedersehen und ihrer Karriere als Ballettänzerin (und deren unglücklichen Ende) entspinnt sich eine beeindruckende Liebesgeschichte zwischen der älter werdenen Daisy und dem immer jünger werdenen Benjamin.

Am Ende hat die Liebe keine Zukunft: Benjamin möchte nicht, dass er als quasi gleichaltriger mit seiner Tochter lebt und macht sich in "jungen Jahren" auf, um noch einmal die Welt zu sehen. Als er zurückkommt ist er ein Kind und seine letzten Jahre verbringt er in dem Altenheim, in dem er zuerst aufwuchs.